Konzerte & Party

Das erstaunliche Comeback des Kings Club

Zwei Ischen auf dem Weg zum Kings Club

Berühmt wurde der Kings Club als Veranstaltungsserie um die Jahrtausendwende, wo er wie kein anderes Event für den aufkommenden Berlin-Glam, den hysterischen Berlin-Mitte-Hype, stylishe Flyer und exzessive Partys stand. Angefangen hatte man als Partyausrichter zum Film über die vielleicht legendärste Discothek aller Zeiten, das Studio 54, das man wohl immer mit Bianca Jagger, die mit einem weißen Schimmel über den Dancefloor reitet, dem koksenden Mond über dem DJ-Pult und seinen Gästen von Andy Warhol, Debbie Harry bis hin zur gesamten New Yorker Kreativszene verbindet. Tatsächlich gelang es dem Kings Club ein wenig von diesem Flair ins Berlin der Jahrtausendwende zu transportieren, auch, als der Film längst abgesetzt war. Das Konzept war im Grunde verblüffend einfach: Veranstalter Stephan Wirth gelang es, durch Deals mit Modelagenturen den Laden mit den hübschesten Mädchen der Stadt zu füllen und durch Deals mit Getränkesponsoren seine Szene-VIPs ordentlich abzufüllen. Seine allerliebsten Freunde wurden sogar mit einer riesigen polnischen Stretchlimousine von zu Hause abgeholt und direkt zum Event gekarrt, was in jenen Tagen ultimatives Szenestatussymbol war. Musikalisch setzte der Kings Club auf House-Music mit Discoeinschlag, die die Gäste nicht allzu sehr verstörte und auf visuelle Gimmicks von riesigen überdimensionalen Discokugeln bis zu gigantomanischen Torten.

Die Party fand im Monatsturnus an einem Mittwoch statt, wo sonst kaum etwas los war; was dazu führte, dass gleich verschiedene Szenen angesprochen wurden – sowohl die Mitte-Kreativszene als auch neugierige Westberliner, für die der Trip in den damals noch sehr schrägen Wilden Osten ein tolles Party­abenteuer darstellte. Legendär waren die Partys im heute längst abgerissenen ehemaligen WMF in der Johannisstraße mit seinem Innenhof, vor dem sich gelegentlich eine über 100 Meter lange Schlange bildete. Endgültig berühmt wurde der Kings Club aber, als an einem Abend während der Berlinale 2000 George Clooney, Naomi Campbell und Bono von U2 unangemeldet vor der Tür standen und später den Dancefloor rockten. Dann allerdings verzettelte man sich mit immer neuen gigantischen Projekten, einer Party in Shanghai und Events in weniger angesagten Locations wie dem Adagio. Die Partyreihe stoppte schließlich, als der musikalische Trend in Berlin in der ersten Hälfte der Nullerjahre auf Electro-Minimal umschwenkte.

Die Pause ist dem Kings Club aber offenbar gut bekommen. Das Publikum der Edition 2012 rekrutiert sich aus gut zwei Dritteln der früheren Stammgäste, die sich nach dem alten Mitte-Feeling zurücksehnen und Gleichaltrige treffen wollen, die heutzutage eher seltener ausgehen. Und die nächste Generation der Kings-Clubber freut sich, ein Event gefunden haben, das Elemente bietet, wie man sie so kombiniert weder im Felix noch im Watergate finden kann. Und dank einer Kooperation mit dem Dessous-Modelabel Vive­ Maria soll sich das Publikum auch wieder an den „Hübschesten Mädchen der Stadt“ erfreuen, diesmal sogar in Unterwäsche.

Text: Rock Davis

Foto: www.edith-held.de

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