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Das erste Album von Jan Driver

Jan Driver

Das riesige, orangefarbene Ding sieht aus wie der Eingang zu einer ägyptischen Grabkammer. Die Fassade ist zerfurcht und vernarbt, zwei Öffnungen führen ins pechschwarze Innere. Das ganze Konstrukt hat die Form des Buchstaben „A“. So sieht eines der Bilder aus, die der Grafiker Jan Stoewe zu Jan Drivers gerade erschienenem Albumdebüt „Amatilda“ gezeichnet hat. Sie visualisieren den eigenartig zerstörten und düsteren Klang, den Driver darauf zelebriert. Allen voran das Stück „Black Harbour“, auf dem sich drückende Bässe, aufwendig arrangierte Drums und eine sägende Melodie zu Testosteron-geladenem, stampfendem Techno verbinden. „Kommt bei mir schon mal vor, dass die Stücke uff de Zwölf sind“, sagt er und lacht. Jan Driver lacht oft, und manchmal wirkt es so, als wolle er damit einen schlechten Gedanken vertreiben. So auch, wenn er davon erzählt, dass er sich 2002 eine Auszeit von der Musik genommen hat, weil sein damaliger Manager und enger Freund gestorben ist. Jan Driver ist kräftig gebaut und trägt eine Brille. Auf seinem Kopf türmen sich wilde Locken. Rund zwanzig Jahre schon ist er im Musikgeschäft. Geboren und aufgewachsen ist er in Mitte, direkt neben dem Club Bunker. Das hat seinen Musikgeschmack geprägt. „Ziemlich roughes Zeug und Hardcore-Techno“ sei damals dort gelaufen, sagt er. Das war Anfang der Neunziger, und diese Musik sei für ihn eine Gegenbewegung gewesen, vergleichbar mit Punk. Davon beeinflusst, begann er zusammen mit einem Freund „schräge Geräusche“ aufzunehmen, wie er schmunzelnd sagt. „Wir haben da mit ’ner Gabel auf Meissner Porzellan rumgekratzt und fanden das ultracool.“ Irgendwann kam Struktur in das Ganze und wenig später, als Driver 15 Jahre alt war, erschien seine erste Platte auf dem Berliner Label Formaldehyd. Ab diesem Moment legte er regelmäßig in Clubs auf, remixte unter anderem Stücke für Faithless, Blaze und kürzlich für den deutschen Hipster-Rapper Marteria. Ein eigenes Album zu produzieren, kam für ihn erst dieses Jahr infrage. „Mit ‚Amatilda‘ wollte ich Sachen ausprobieren, zu denen ich vorher technisch und spielerisch nicht in der Lage war“, sagt er. Tatsächlich klingt dieses Album vergleichsweise experimentell und organisch, fast so, als habe er die Stücke mit einer ganzen Band in einer überdimensionierten Werkstatthalle zwischen rostigem Metall aufgenommen. So ist es auch kein Zufall, dass Jan Driver, wenn er mal eine Auszeit von der Musik braucht, tatsächlich in seine Werkstatt geht. Dort steht ein amerikanischer Oldtimer, den er gerade eigenhändig restauriert – „Ick steh einfach uff Karren“, sagt er und lacht.

Text: Lucas Negroni

CD: Jan Driver „Amatilda“ (Boysnoize Records)

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