Vorschau

Das erwartet euch beim digitalen Pop-Kultur Festival 2020

Eigentlich sollte es hier in genau einer Woche losgehen: Das internationale Pop-Kultur Festival würde vom 26. bis 28. August hunderte von Menschen auf das Gelände der Berliner Kulturbrauerei locken. Stattdessen mussten sich die Veranstalter*innen ein Programm ausdenken, dass die Menschen vor die Bildschirme lockt. Wie das aussehen wird, präsentierten sie am Mittwoch im Kino der Kulturbrauerei.

Die in Berlin lebende Sängerin und Produzentin Catnap bring in ihrem Beitrag für das Pop-Kultur Festival Musik und Sci-Fi zusammen. Foto: Duran Levinson
Die in Berlin lebende Sängerin und Produzentin Catnap bring in ihrem Beitrag für das Pop-Kultur Festival Musik und Sci-Fi zusammen. Foto: Duran Levinson

Dichtes Gedränge vor Konzertbühnen und enges Beieinandersitzen in Kinosälen ist in Zeiten der Pandemie natürlich nicht möglich. Die Festivalmacher*innen Martin Hossbach, Christian Morin und Florian Wachinger haben unter der Leitung von Katja Lucker die unerwarteten Begrenzungen des Machbaren genutzt, um die bisherigen Grenzen des Festivals mithilfe des digitalen Raumes auszuweiten. Ortsunabhängig und kostenlos können Zuschauer*innen auf www.pop-kultur.berlin ein Programm mit 36 audiovisuelle Beiträge von Künstler*innen aus aller Welt ansehen.

Diese 20 bis 60 Minuten langen, teils interdisziplinären Arbeiten werden jeden Abend ab 20.20 Uhr veröffentlicht und sind sogar über die Festivalzeit hinaus in der Mediathek abrufbar. Somit ist immerhin das typische Entscheidungsdilemma eines Festivalgängers zwischen gleichzeitig stattfindenden Acts gelöst. Ebenso praktisch: Zeitgleich wird eine Show veröffentlicht, in welcher die Beiträge des jeweiligen Festivalabends gebündelt sind. So bekommt man überall einen Einblick und kann sich dann in voller Länge anschauen, was einen genauer interessiert.

Experimentelle und aufwendig produzierte Arbeiten aus Berlin und aller Welt

Im Kinosaal wurde die erste von diesen drei Shows präsentiert und beeindruckte mit der Spannbreite von Form und Inhalt. Das sind zum einen die „Sessions“, in Berlin aufgezeichnete musikalische Live-Performances von Alten Hasen wie wie The Notwist oder dem Newcomer-Duo MADANII&LLUCID. Hingegen wurden die „Digital Works“ von den Künstler*innen selbst lokal umgesetzt – so wie von der Rapperin Yugen Blakrock, dem Shooting-Star aus Südafrika.

Daneben sind die interdisziplinären „Comissioned Works“ das Ergebnis monatelanger Zusammenarbeit zwischen Festivalkurator*innen und Künstler*innen. Besonders neugierig macht die Mischung aus Konzertperformance und Science-Fiction Film der Berliner Musiker*in Catnapp. Im Zentrum steht dabei die von ihr erfundene Software „Damage“, die über VR-Brille und Kabel auf das Gehirn zugreift und dem/der Nutzer/in die Türen zu tief verborgenen Ängsten öffnet.

Ursprünglich sollten die Konzertparts vor Publikum aufgenommen werden. Die veränderte Situation sei für Catnapp eine Herausforderung gewesen, erzählte sie: „Ich musste einen neuen Weg finden, wie ich eine Nähe herstellen kann, auch wenn die Leute vor dem Computer sitzen.“

Neben den musikalischen Beiträgen bereichern spannende Talks mit Gästen wie Musiker Drangsal, Autorin und Rapperin Lady Bitch Ray oder Veranstalterin Jumoke Adeyanju das Programm auf einer diskursiven Ebene.

Zu erwähnen sei auch, dass es das ganze Programm als Hörspielfilm für Menschen mit einer Sehbehinderung gibt. Barrierefreiheit wird bei Pop-Kultur groß geschrieben, wie eine Mitarbeiterin während der Vorführung im Kinosaal betont, die auch durchgängig von einer Gebärdensprachen-Dolmetscherin begleitet wurde.

Das Überwinden von Beschränkungen gilt wohl für das Festival in jeder Hinsicht und den Macher*innen ist das zusammen mit den Künstler*innen auf originelle Weise gelungen.


Mehr Events in Berlin

Bis das Pop-Kultur Festival losgeht, dauert es noch etwas. Bis dahin schalgen wir euch vor, auf diesen Veranstaltungen vorbeizuschauen – von Kino bis Klanginstallation. Und unsere Clubkolumne hält euch auf dem Laufenden, was in den Berliner Clubs am Wochenende los ist.

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