Konzerte & Party

Das Greenville-Festival vor den Toren Berlins

Iggy & The Stooges

Es wäre nur allzu logisch, wenn auch Berliner Indierock-Fans im Sommer wenigstens ein Mal im Jahr raus aus der Stadt zu einem Festival pilgern würden. Leute, die sich mehrheitlich für schwarze und elek­tronische Musik begeistern, tun das auch. Die in Sachsen-Anhalt stattfindenden Festivals Splash! und Melt! waren in diesem Jahr ausverkauft. Eine besondere Herausforderung scheint es dagegen zu sein, wenn man als Veranstalter den Schwerpunkt auf Indierock legt und sich direkt vor den Toren Berlins ansiedeln will. Wie schwierig das ist, wissen Hilary Kavanagh und Cornelius Opper nur zu gut. Ihr Versuch, ein Festival im brandenburgischen Paaren im Glien zu etablieren, ging vor sechs Jahren schief. Sie wollten nicht wahrhaben, dass man dafür mehr braucht als Zoot Woman, Echo & The Bunnymen und andere Liebhaberbands.
Auch Carlos Fleischmann hat schon einen Fehlversuch hinter sich. 2006 wollte der Geschäftsführer der Agentur Creative Talent in Zusammenarbeit mit Peter Schwenkows DEAG mit dem Berlinova-Festival in die Waldbühne ziehen, nachdem es in Luckau vorher nicht richtig gelaufen war. Am Ende wurde die Veranstaltung komplett abgesagt und nie wieder neu angesetzt.
Mittlerweile steht Fleischmann auf eigenen Füßen. Er veranstaltet deutschlandweit Konzerte von Muse, The Black Keys, Santigold und kleineren Bands. Darüber hinaus ist er als Spielerberater von Fußballprofis tätig. Nun kommt als weiteres Standbein das Greenville-Festival in Brandenburg dazu. Ein Schnellschuss ist es angeblich nicht. Fleischmann gibt einen Planungsvorlauf von drei Jahren an. Bei der ersten Ausgabe in diesem Juli kalkuliert er zunächst mit 10.000 Besuchern, über die Jahre soll sich diese Zahl erhöhen.
Was die Erfolgsaussichten angeht, kann man vorsichtig optimistisch sein. Es werden genügend Musiker angekündigt, die sich auf Festivals bewährt haben. Scooter sind gewiss ein dämliches Ding für sich, aber ihre Masche funktioniert vor einem großen Publikum einfach besser als der neueste Trend-Tipp aus Brooklyn. Auch Turbonegro und die Osteuropa-Spezialisten von Gogol Bordello können richtig gut durchdrehen. Deichkind wissen sich optisch in Szene zu setzen und liefern Pop-Geistesblitze wie ihren aktuellen Hit „Leider geil“ ab.
Letztendlich steht und fällt ein Festival natürlich mit den Headlinern, und da kann man sich überhaupt nicht beklagen. Iggy Pop (Foto) kommt auf Platte immer sanfter daher, aber an der Seite von The Stooges zuckt er wilder übers Parkett als alle Gewitterblitze zusammen. The Roots sind die beste Live-Band des HipHop, und das nicht erst seit ihrem Engagement als Hausband in der amerikanischen Late-Night-Show von Jimmy Fallon.
So richtig Vorfreude kommt auf, wenn man den Namen The Flaming Lips liest. Diese Band ist die beste Versicherung gegen Langeweile, die es gibt. In den Achtzigern versanken die Musiker aus Oklahoma noch im Garagenrock-Chaos. Kaum jemand hat da auf sie gewettet. Aber dann machten sie ein Album mit vier CDs, die man parallel in vier verschiedenen Geräten laufen lassen muss. Etwas später schufen sie ihr Meisterwerk „The Soft Bulletin“. Dieser Tage gleiten The Flaming Lips bevorzugt mit einer psychedelischen Raumfähre durchs All. Gedanklich natürlich. Schön, dass sie nach zwölf Jahren mal wieder in unserer Gegend landen.

Text: Thomas Weiland

Greenville Festival mit The Flamming Lips, Deichkind, Iggy & The Stooges, The Roots u.?v.?m., MAFZ Erlebnispark Paaren im Glien, Fr 27.–So 29.7., VVK Festivalticket: 85 Euro zzgl. Gebühren, Tagesticket: 45 Euro zzgl.Gebühren

www.greenvillefestival.com

Aktuelle Berichte, Bildergalerien und Konzertkritiken vom Greenville-Festival gibt es ab kommenden Freitag hier auf unserer Seite.

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