Konzerte & Party

Das Krake Festival in Berlin

Krake Festival

Gerade erst herrschte im Suicide Circus in Friedrichshain wieder mächtig Andrang. Nico Deuster hatte viele Leute zur Killekill-Party unter der Überschrift „Acid Ist Fertig“ angelockt. Er selbst war als DJ Flush dabei, ebenso die Killekill-Künstlerin Acid Maria und als Highlight der im Acid-Genre unerlässliche Engländer Affie Yusuf. Früher hat Deuster wöchentlich einmal Partys veranstaltet, damals noch in der Kantine des Berghain. Inzwischen gibt er sich mit ein bis zwei Veranstaltungen pro Monat im Suicide Circus oder Horst Krzbrg zufrieden. Grund ist sein größerer Aktionsradius: Killekill ist nämlich inzwischen auch ein Label und produziert Podcasts. Besonders stolz ist Deuster darauf, dass es in diesem Jahr zum dritten Mal das von ihm gestaltete Krake Festival gibt. „Es ist schwierig, die Leute auf Dauer für einzelne waghalsige Bookings zu gewinnen“, sagt er. „Es rechnet sich eher, wenn man an mehreren Abenden einer Woche verschiedene Aspekte der experimentellen elektro­nischen Musik auf einmal abdeckt.“
Bisher hat das schon zwei Mal ziemlich gut funktioniert. Es gab renommierte, aber nicht festgefahrene Acts wie Plaid, Cristian Vogel, The Field, Oval oder Jimmy Edgar in vielen verschiedenen Locations zu sehen. Dieses Mal übt sich Deuster in Selbstbeschränkung: „Wenn man sich auf viele Veranstaltungsorte verteilt, geht automatisch der Fokus verloren. Das ist nicht Sinn der Sache.“ Für den Eröffnungsabend ist die Passionskirche in Kreuzberg gebucht, wo Freunde von Ambientkulissen bei den Auftritten von Mexikos Minimal-Meister Murcof und Multimedia-Künstler Thomas Köner auf ihre Kosten kommen sollen. Zwei Tage später wird man in der Berghain-Kantine mit ungleich härteren und düstereren Tonwelten konfrontiert. Dort tritt der fabelhafte Techno-Produzent Ali Wells alias Perc auf, der in London seit 2004 sein Label Perc Trax betreibt und sich mit dem Album „Wicker & Steel“ und der jüngst veröffentlichten EP „A New Brutality“ in den Vordergrund gespielt hat. Perc gibt dem Techno durch Anspielungen auf frühen Industrial-Sound aus dem Hause Cabaret Voltaire oder Throbbing Gristle und durch okkulte Elemente eine ungewohnte Richtung.
Den größten Zulauf wird es fraglos am Freitag und Samstag im Suicide Circus geben. Der früher in Berlin beheimatete, heute in London lebende und in Japan besonders gefeierte Ulrich Schnauss wird sich dort als Wanderer zwischen Ambient-Sound und Shoegazer-Rock präsentieren. Breakcore-Bengel Kid606 aus San Francisco wird seine Geräte einer echten Belastungsprobe unterziehen. Warp-Künstler Tim Exile und Squarepushers Bruder Andy Jenkinson führen als Ceephax Acid Crew das Line-up an. Auch bei ihnen geht es stilistisch bunt durcheinander, was ganz im Sinne des Veranstalters ist. „Wir hätten zum Beispiel einen reinen Dubstep-Abend machen können, aber dann wären alle bloß wieder in ihrer Engstirnigkeit versackt. Die Musik an einem Abend soll bei uns einen Verlauf haben. Es soll durch verschiedene Gebiete gehen“, kündigt Deuster an. Das ist auch genau das, was man von einem Festival erwartet.

Text: Thomas Weiland

Krake Festival, Mo 6.8.–So 12.8., VVK: 13,50 Euro bis 50 Euro

www.krake-festival.de

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