Konzerte & Party

Das Krake-Festival 2015

Untold

Einfach ist es nicht, wenn man ausgerechnet im Ferienmonat August ein einwöchiges Festival für experimentelle elektronische Musik auf die Beine stellen will. Dennoch haben die Veranstalter der Killekill-Agentur auch für die sechste Ausgabe ihrer Krake-Konzertreihe wieder ein respektables Programm zusammenbekommen. DAT Politics – wie lange es dieses Duo schon gibt! Seit 1999 veröffentlichen Claude Pailliot und Gaetan Collet Tracks, in denen das Werk von nicht oft genannten Pionieren des französischen Synthesizer-Pop der Ausgangspunkt ist. Es handelt sich zum Beispiel um Jacno, der einst für das New Yorker Kultlabel Celluloid in Diensten stand, oder Ruth, die einen verspielten Stil an sich hatten. „No Void“, das neue Album von DAT Politics, ist von diesen Klangästheten der Achtzigerjahre beeinflusst. Der Retro-Charakter ist evident. Das Duo empfindet seine neueste Entdeckungsreise zudem als „unheimlich und unterhaltsam“, was man auch an den Songtiteln „Junk Funk“, „Vibrator“ oder „Pyromaniac“ erkennen kann. Es sind herrlich schäbige Drecksdinger.
Der französische Landsmann Mondkopf ist anders verwurzelt. Er bezieht sich auf den Einfluss der Berliner Schule der elektronischen Musik – besonders auf Klaus Schulze und seine Alben „Cyborg“ und „Blackdance“. Paul Rйgimbeau, wie Mondkopf eigentlich heißt, beschränkt sich jedoch nicht auf das Klangbild der frühen Siebziger: Die Beats auf seinem packenden Album „Rising Doom“ kommen kraftvoll und bedrohlich daher, nicht zuletzt wegen der Anspielungen auf Industrial oder Dubstep.
Für Unruhe sorgt Untolds jüngstes Album „Black Light Spiral“. Es beginnt mit minutenlangem Sirenengeheul und auch sonst kann dieser Londoner Produzent seinen Hang zu Störgeräuschen nicht unterdrücken. Er fabriziert Töne, die sich nach außer Kontrolle geratenen Bohrmaschinen, geloopten Gesprächen von Jamaikanern oder einem Insektenüberfall anhören. Eine ähnliche innovative Energie entdeckt man auch in den Arbeiten von Kamikaze Space Programme. In „The Bailiff“ sabotiert er die gleichförmige Struktur des Techno mit metallischem Klöppeln. Solche intelligenten Eingriffe wider die Normalität machen ihn und die anderen Krake-Künstler so wertvoll.

Text: Thomas Weiland

Krake-Festival 2015, verschiedene Orte, Mo 3.8.–So 9.8., www.krake-festival.de

VVK: 65 Euro zzgl. Gebühr (Gesamtticket)

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