Konzerte & Party

Das listige Luder Lilly Allen spielt im Postbahnhof

Lilly AllenTja, dumm gelaufen, Lily. Warst ja wirklich das erste flapsige Pop-Girlie mit Londoner Schnauze und Beats aus dem Hause Mark Ronson/Greg Kurstin. Konntest zudem auf den Prominentenbonus verweisen, dein Vater ist ein bekannter britischer Comedian. Geholfen hat dir das alles leider nichts. Amy Winehouse hat dich mit ähnlichen Studiohelfern im Eiltempo überholt und ist jetzt der unangefochtene Star. Und Kate Nash, die eigentlich nach dir kam und bei dir abgeschaut hat, ist hierzulande viel bekannter.
Nach der Achterbahnfahrt muss­test du verständlicherweise erst einmal kräftig durchschnaufen. Fast drei Jahre brauchtest du, bis du endlich eine passende Antwort parat hattest. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Raffiniert ist dein zweites Album „It’s Not Me, It’s You“ ohne Frage. Schon das En­trйe mit eingebautem Killers-Zitat hört sich ausgesprochen einladend an, trotzdem bleibt der Song stets deiner. Danach reitest du höchst lebhaft auf galoppierenden Country-Grooves, folkloristischen Impressionen und anderen Einflüssen alter Schule herum. „Fuck You“ ist natürlich genial. So was sagt man ja eigentlich nicht, aber du bist nun mal eine Großstadtgöre, bei der das irgendwie charmant wirkt.
Attitüde hast du auf jeden Fall, das muss man dir lassen. Live hilft die natürlich ungemein. Schüchternheit hat dir bei britischen Shows bislang noch niemand vorgeworfen. Auf der Bühne kannst du deine Erfahrung ausspielen und es endgültig allen zeigen, du liebenswert listiges Luder. Du wirst sehen: Das wird schon.

Text: Thomas Weiland

Foto: Simon Emmet

Lily Allen, Postbahnhof, So 3.5., 20 Uhr (ausverkauft)

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