Konzerte & Party

Das Mandelring Quartett im Radialsystem

Mandelring Quartett

Noch im Reclam-Kammermusikführer der Nachkriegszeit, so erzählt Bernhard Schmidt, Cellist des Mandelring-Quartetts, finden sich abwertende Bemerkungen über Mendelssohn. Sogar mit seinem Oktett – einem Meisterwerk – werde man „nicht recht froh“, heiße es da unter Wiederaufnahme antisemitischer Reflexe. Schon Wagner hatte Mendelssohn verspottet, die Nazis ihn dann ganz von den Spielplänen verbannt. Hat lange nachgewirkt. Dabei war es Mendelssohn, der den Krampf der Beethoven-Nachfolge löste – und somit die Tür zur Zukunft aufstieß. Vor dem Mandelring Quartett gab es kaum eine echt klassische Gesamtaufnahme der Mendelssohn-Streichquartette.
Nach ihrem erfolgreichen Schostakowitsch-Marathon, mit dem das 1983 gegründete Quartett neue Räume eroberte, spielen die vier jetzt sämtliche sieben Streichquartette Mendelssohns (einschließlich eines Frühwerkes) an einem einzigen Abend. „Das dauert ungefähr 3 Ѕ Stunden“, so Schmidt. Und am Vorabend gibt es die beiden Streichquintette (plus kleiner Talkshow). Wofür neben dem neuen Bratscher Andreas Willwohl auch ein Ehemaliger, Roland Glassl, zurückkehrt. „Wären es neun Quartette, hätten wir auch die gespielt“, so Schmidt über verschiebbare Grenzen der eigenen Belastbarkeit. „Wir sind gut im Training dank vier- bis fünfstündiger Proben.“ Die Werke gehören zu ihren „allerersten Lieben“. Und das sagt etwas aus. Denn drei der vier Mitglieder kennen einander, weil sie Geschwister sind, ein Leben lang.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Martin Blume

Mandelring Quartett, Radialsystem V, Fr 13.11., 20 Uhr, Sa 14.11., 19 Uhr, ?Karten-Tel. 288 788 588

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