Konzerte & Party

Das Musikfest Berlin 2015

Carl Nielsen

Carl Nielsen? Ist das nicht der mit dem „Unauslöschlichen“?! Richtig. Herbert von Karajan dirigierte in Berlin gern Nielsens Symphonie Nr. 4, mit dem dänischen Beinamen „Det Uudslukkelige“. Klingt lustig, und in der Tat ist der Titel weniger pathetisch gemeint als die deutsche Übersetzung klingt.
Zum 150. Geburtstag des dänischen Nationalkomponisten widmet ihm das Berliner Musikfest einen großen Schwerpunkt. Mit den wichtigsten Symphonien und den Streichquartetten, dargeboten vom formidablen Danish String Quartet sowie einer Ausstellung im Foyer. Leonard Bernstein war es, der in den 60er Jahren von den USA aus den großen Nielsen-Durchbruch bewirkte. Nachdem man dem Dirigenten in Kopenhagen den Nielsen-Preis verliehen hatte, lernte Bernstein ein Werk kennen, das ihm bis dahin unbekannt geblieben war.
In Dänemark ist Nielsen vor allem wegen fast 300 Lieder beliebt, die man schon auf der Schule singt. Vier Fünftel aller Nielsen-Lieder, sagen manche Dänen, „kennen wir auswendig“. Dass es Nielsen in Deutschland schwer hatte, hängt nicht mit mangelnder Qualität seiner vorwiegend tonalen Kompositionen zusammen. Sondern mit Ignoranz.
Seine Originalität liegt darin, dass er harmonisch einfach blieb, während er sich strukturell verkomplizierte. Nielsen beklagte sich stets darüber, dass wir die Sinnhaftigkeit simpler Formen nicht mehr recht einsehen könnten. Die Auffassung, dass Musik nicht aus Tönen, sondern aus komplexen Tonverbindungen als kleinster Einheit besteht, rückt ihn in die Nähe der philosophischen Gestalttheorie. Das bewahrte ihn musikalisch von allem Floskelhaften.
Mit Arnold Schönberg, dem das Musikfest einen zweiten Schwerpunkt widmet, war Nielsen persönlich bekannt. Die beiden trafen sich in Nizza. An Schönbergs Seite gehört Nielsen – als Großmeister aus der dänischen Provinz. Jetzt können wir ihn neu entdecken.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Ko?nigliche Bibliothek Da?nemark

Musikfest – Die Highlights:

Ensemble Modern/Synergy Vocals mit Steve Reich/John Adams (Mi 2.9.), das Boston Symphony Orchestra unter ?Andris Nelsons mit Mahler VI (Sa 5.9.), SWR Sinfonie­orchester unter Francois-Xavier Roth mit Haas/Schönberg/Wyschnegradsky (Mo 7.9.), Emerson String ­Quartet mit Beethoven/Berg/Schönberg (Do 10.9.), ­Berliner Philharmoniker erstmals unter Matthias Pintscher (Sa 12.9., 19 Uhr, So 13.9.), DSO unter Ingo Metzmacher mit Schönbergs „Jakobsleiter“ (Do 17.9.), ­Ensemble Musikfabrik mit Stockhausens „Michaels ­Reise um die Erde“ aus „Donnerstag aus Licht“ (Fr 18.9., ­Sa 19.9., 17 Uhr) , das Arditti String Quartet mit Schönberg und ­Ferneyhough (So 20.9., 11 Uhr).

Alle Veranstaltungen beginnen, wenn nicht anders ­angegeben, um 20 Uhr in der Philharmonie. Philharmonie u.a. Orte,
Mi 2.9.–So 20.9., ?Karten-Tel.: 25 48 91 00

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