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Das neue Album von Norman Palm

Norman Palmer

Norman Palm führt ein reges Leben im Internet. Zum einen tauscht er oft Songfiles mit seiner Band Odd Man Out. Und darüber hinaus betreibt der Profigrafiker eine originelle Webseite: Eine Fotoausstellung ist dort zu sehen mit skurrilen Werbe-Billboards, die Palm an den Straßenrändern von Mexiko entdeckte. Er bloggt zudem und verschenkt Songs zum Download. Nur den Vertrieb seiner Musik ging der Songwriter mit der weichen Stimme bisher eher traditionell mit Hilfe von Plattenfirmen an.
Zuletzt erschien 2010 das Album „Shore To Shore“, auf dem sich Palm vom Folk-Minimalisten zum Elektronik-Ästheten gewandelt zeigte. Vor Kurzem ist der Nachfolger fertig geworden. Palm hat „With Odd Man Out“ kurzerhand ins Internet gestellt, Fans können es gegen einen freiwilligen Betrag runterladen. „Die Terminpläne bei den Labels sind ja immer sehr voll. Bis alles eingetaktet und finanziert ist, wartest du teils ein Jahr. Das hat mir nicht gefallen. Ich wollte die Sache lieber schnell umsetzen“, erklärt Palm den Schritt, auf die Zusammenarbeit mit einem Label zu verzichten. „Es war ja so, dass bei den Platten bisher finanziell gar nichts rumkommt. Ich habe also versucht, den Faktor Erfolg auszublenden.“ Mit dem Schritt, die verschiedenen Online-Portale zum Veröffentlichen und Verkaufen von Musik zu nutzen, waren auch die Mitmusiker des Wahlberliners aus Meppen gleich einverstanden, Keyboarder und Produzent Janne Lounatvuori und Gitarrist Obi Blanche.
Für einen erwiesenen Ästheten, der sein Debütalbum „Songs“ 2007 noch mit liebevollem Aufwand als illustriertes Büchlein fertigte, ist der Schritt überraschend. „Ich hatte aber gar nicht vor, die Sache mit dem Buch zu wiederholen“, sagt er. „Es ist doch spannender, für jede Platte ein neues Konzept zu finden, das dazu passt. Für das neue Album machen wir eine Reihe Videos. Es gibt also auch hier wieder die visuelle Komponente.“ Ein weiteres apartes Nebenprojekt zwischen Kunst und Musik hat Palm außerdem gestartet: das elektronisch geprägte Duo „Millennium“ mit Produzent Ville Haimala alias Renaissance Man. Auf den ersten Blick sieht dessen spaßige „Millennium“-Seite so aus, als handelte Palm dort mit Aktien und nicht mehr mit Songs.
„With Odd Man Out“ aber, hat man es runtergeladen, ist ein klassisches Album geworden. Dicht gewoben entfaltet es seine Wirkung am besten im Zusammenhang. Palms leise melancholische Gesangsharmonien sind eingebettet in die Soundscapes von Lounatvuoris raren Synthesizern und Blanches verfremdeten Gitarren. Von fern erinnert die Grundstimmung an den lakonischen Dreampop der Kalifornier Grandaddy oder von Beck. Es wäre in der Tat schade, Songs wie „Valium Hill“ noch eine Jahresumdrehung ungenutzt auf den Schreibtisch zu legen.

Text: Ulrike Rechel

Norman Palm: With Odd Man Out zum Download via: normanpalm.bandcamp.com oder iTunes, Spotify u.a.

www.millenniummillennium.net

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