Konzerte & Party

Das neue Violet

by Andre C. HercherMarcus Trojan sieht etwas müde aus. Vielleicht ist er aber auch einfach ein sehr entspannter Typ. Er steht vor den großen Fenstern seines Konferenzraumes im 15. Stock des Haus des Reisens am Alex und schaut über die drei Weihnachtsmärkte mit den bunt blinkenden Fahrgeschäften. „Über­­all ist zwar von Krise die Rede, aber das Riesenrad da kostet vier Euro, und die Leute rennen alle hin!“ Nicht, dass der Chef vom Week-End sich beschweren könnte, sein Laden läuft gut, trotzdem musste auch der studierte Kommunikationswirt aus Schwaben in den letzten Monaten erfahren, dass Erfolg nicht selbstverständlich ist.
Im Sommer dieses Jahres wurden er und sein Partner Oskar Melzer von einer großen Münchener Werbeagentur gefragt, ob sie nicht einen Club machen wollten, der eine neue Zigarettenmarke bewerben sollte. Sie sagten zu, holten Tim vom ehemaligen Rio dazu und planten eine inhaltliche Mischung aus Week-End und Rio – dem schicken, von Architekten entworfenen Techno-Club und dem ehemaligen Treffpunkt von Indie-Kids und Musikern wie Peaches und Jamie Lidell.
Doch zuerst mussten sie die vorgegebene Corporate Identity der Agentur umsetzen, schließlich gab es dafür eine Menge Geld. Innerhalb kürzester Zeit fanden sie eine Location, den ehemaligen Shark Club in der Rosmarinstraße, bauten um und strichen schwarz. Es gab ein paar nette Partys mit den üblichen Eingeladenen, aber einen Club der Zigarettenindus­trie, der von der Agentur dummerweise als „neuer Underground-Club“ beworben wurde, kann in Berlin, anders als in München, direkt wieder einpacken – das ist mittlerweile wahrscheinlich selbst der Agentur klar. Nach ein paar Wochen machte der Kippen-Club dann wie geplant zu und wurde von 9005 zum Badlands umbenannt. Aber so richtig wollte auch der nicht funktionieren. Tim vom Rio stieg aus, Oskar Melzer zog sich zurück, und Marcus Trojan stand mit einem Fünf-Jahres-Mietvertrag alleine da.

Marcus Trojan„Man kann einen Club nicht am Raster planen. Das Badlands war vielleicht einfach etwas lieblos“, sagt er nun. In den letzten Wochen hat er umbauen lassen. Mehr Sitzmöglichkeiten, neue Wände und eine neue Farbe an den Wänden. Violett. So soll der neue Club im alten auch heißen. Violet – englisch ausgesprochen.
Auch der Umgebung des Clubs will Trojan sich mehr anpassen. Rund um die Friedrichstraße gebe es wenig Platz für Jugendkultur, und außerdem sei er selbst nicht mehr jugendlich und könne so einen jungen Club nicht glaubwürdig präsentieren. „Ich häng mir kein Lametta mehr hinter die Ohren und geh in die Wilde Renate“, sagt der 35-Jährige. So wie ihm ginge es vielen, sagt er. Menschen, die Techno wollen, aber ihre Getränke trotzdem gerne aus Gläsern mit Eis trinken. Für die bucht er nun DJs wie Dixon, Klee, Diringer oder Highfish und knüpft damit an seine alten F.U.N.-Zeiten an.
Neu ist das alles wirklich nicht, auch das Cookies versucht, er­wach­sen gewordene Technoliebhaber zu erreichen. Und demnächst eröffnet auch das WMF wieder. In der Klosterstraße um die Ecke. Ob der Kuchen überhaupt für all die Clubbetreiber reicht, fragt sich mittlerweile auch Trojan: „Ich glaube, wir kriegen hier langsam ein Problem. Ich hoffe, dass bei den immer mehr werdenden Clubs und den wieder teurer werdenden Flügen nicht einige Läden hinten rüber fallen.“ Wenn es mit dem Violet nichts wird, ist Trojan aber wohl auch nicht ruiniert. Er baut gerade an einer Großraum­disko in Dortmund.

Text: Laura Ewert

Violet Rosmarinstraße 8-9, Mitte, Samstags ab 23 Uhr

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