Konzerte & Party

Das Portico Quartet im A-Trane

Portico QuartetDer Jazz ändert zwar ständig sein Gesicht, aber neue Instrumente kommen eher selten ins Spiel. Aus dem Londoner Südosten vernimmt man nun Klänge, die noch kein Ohr gehört hat. Eine idyllische Villa mit Gartenhaus ist das Heim und Labor des Portico Quartets. Vier junge Musiker, die mit Hingabe zwischen Minimal Music, freier Improvisation und aktuellem Rock navigieren. Daran allein wäre freilich noch nichts Besonderes. Den kleinen Unterschied macht ein seltsames schwarzes Ding, das wie eine unscheinbare Kreuzung aus fliegender Untertasse und Wok anmutet und undefinierbare Klänge von sich gibt. Auf einem Stativ mit Händen oder Trommelstöcken traktiert, erstreckt sich sein warmes Spektrum zwischen Moog, Teremin, Steeldrum und Vibrafon.
„Das Zentrum unserer Musik ergibt sich aus dem Einklang des Hang mit Bass und Saxofon“, erläutert Nick Mulvey. „Das Hang legt uns ein hypnotisches Spiel nahe und gibt auch den anderen Instrumenten einen Rahmen. Von dieser Urmasse aus entwickeln wir unser Spiel in viele Richtungen.“ Portico selbst bezeichnen sich als Misfits der Londoner Jazz-Szene. Ihre klösterliche Symbiose wirkt alles andere als cool oder trendy. Aber wie das Hang ihrem Sound eine Mitte gibt, so ist auch die Band total geerdet. „Intellektuelle Entscheidungen wie eine Tabla in einer Rockband hört man stets heraus, weil sie nicht organisch sind“, betont Mulvey. „Wir hingegen vertrauen auf unser Gefühl.“ Vielleicht holte Peter Gabriel die vier passionierten Klangforscher gerade deshalb auf sein Label Real World, auf dem sich sonst kaum Jazz-Musiker tummeln.

Text: Wolf Kampmann

Portico Quartet, A-Trane, Di 20.4., 22 Uhr, VVK: 16/13 Euro

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