Konzerte & Party

Die Secret Island Nation Reunion Party in der wilden Renate

Secret Island

„Du kannst dir nicht vorstellen, was das für ein Gefühl ist, wenn du die schroffe schwedische Küste mit dem kleinen Boot entlangfährst und plötzlich hörst du dieses entfernte Wummern“, schwärmt Björn Wurmbach, Organisator des Secret Island Nation Festivals. „Irgendwann erkennst du dann auf der Insel die tanzenden Leute und willst einfach nur dabei sein.“
Wurmbachs Stimme bekommt etwas aufbrausendes, wenn er von seinem wichtigsten Projekt spricht. „Das kannst du mit anderen Festivals einfach nicht vergleichen, denn wir sind viel kleiner, und vor allem gibt es bei uns komplett andere Regeln.“ Tatsächlich dürfte das Festival mit maximal 500 Gästen auf der Insel Ulshomen wenige Seemeilen vor der schwedischen Küste eines der kleinsten, dafür aber außergewöhnlichsten Open-Air-Festivals überhaupt sein. Für ein Wochenende wird Ulsholmen zu Sweutschland – einem fiktiven Staat ohne Hierarchien. Keiner der DJs oder Helfer des Festivals bekommt dafür Geld. „Nicht, weil es in meine eigene Tasche fließt, sondern weil das Festival zumindest finanziell eine Nullsummenrechnung ist.“ Aber das ist dem Organisator Björn egal. Denn Secret Island ist für ihn und alle eingefleischten Sweutschländer mehr als nur eine Bilanz, an deren Ende ein Plus stehen muss. Es gibt noch das politische Projekt Secret Island Nation, das der argentinische DJ Franco Bianco auf den Punkt bringt: „Dieses Festival erinnert uns jedes Mal daran, dass dieses ganze VIP und der Kapitalismus scheiße sind, und dass eine andere Welt immer noch möglich ist.“ Um eine solche Welt zu erproben, werden jährlich zahlreiche politische Aktivisten eingeladen, die sich mit dem Publikum in Diskussionen oder in Rollenspielen austauschen. Zu Gast auf Sweutschland waren unter anderem schon Rickard Falkvinge (Gründer der Piratenpartei) und Atoth (Chaos Computer Club).
Björn Wurmbach„Ich möchte nicht, dass die Leute diesen Menschen alles glauben, zumindest aber sollen sie sich mit ihnen austauschen und eine andere Sicht auf die Dinge ausprobieren“, sagt Wurmbach. Von diesen Absichten zeigte sich sogar die EU angetan, die das Festival vor einem Jahr mit Fördergeldern unterstützte. „Wir haben sogar bei der UNO einen Antrag auf Staatenmitgliedschaft gestellt – daraus ist aber nichts geworden.“ Wirklich ernst gemeint war dieser Versuch sowieso nicht. Selbst nach der hitzigsten politischen Debatte sollen die Leute zusammen ein paar Bier trinken und feiern. „Denn letztendlich geht es uns doch nur darum, für einige Tage in einer Gemeinschaft zu leben, in der alle gleichberechtigt sind und jeder mit anpackt.“ In dieser Atmosphäre ist auch so manche Beziehung entstanden, die nach der harten schwedischen Brise auch die Rückkehr in die Großstadt überdauert hat. „Letztes Jahr hatten wir hier sogar vier Paare, die sich von mir trauen lassen wollten“, sagt Wurmbach. Ob das jetzt alles rechtskräftig ist, wisse er nicht, aber darauf komme es eben auch nicht an. Und auch die Einheimischen haben mittlerweile Vertrauen zu den seltsamen Großstädtern gewonnen. „Dieses Jahr haben sie uns sogar mit ihren Fischerbooten geholfen, und außerdem haben sie mich zur Hummersaison eingeladen.“ Eine Geste, die nur den allerwenigsten Besuchern zuteil wird. Trotzdem: „Für Pussies ist das Secret Island Nation nichts“, meint er. „Das Klima auf der Insel kann man mit Deutschland nicht vergleichen, da kann es schon mal ziemlich ungemütlich werden.“ Einen Vorgeschmack auf Secret Island kann man auf den jährlich stattfindenden Vor- und Nachtreffen bekommen. „Ich will zur diesjährigen Reunion-Party nicht zu viel verraten, aber wir haben einen Heidenaufwand darum betrieben“, sagt Wurmbach. Am Ende sollen nämlich die Einnahmen wieder dem Festival zugutekommen, denn oberstes Ziel ist es, davon endlich „ein ordentliches Boot zu kaufen“.

Text: Lucas Negroni

SECRET ISLAND NATION REUNION PARTY mit den DJs Nooncat, Sebastian Voigt, Joel Alter u.a., Salon – Zur wilden Renate, Alt-Stralau 70, Friedrichshain, Sa 16.10., 23.50 Uhr

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