Konzerte & Party

Das Torstraßenfestival in Berlin

Torstraßenfestival

Unlängst brachte Filmregisseur Klaus Lemke seine Liebeserklärung „Berlin für Helden“ ins Kino. Die schön trashige No-Budget-Romanza wurde in weiten Teilen an der Torstraße gedreht – Komparsen gratis. Und nicht nur der Kultfilmer hat sich in die lärmige Verkehrsader verguckt. Auch viele dort angesiedelte Gastronomen, Künstler und Unternehmer sind der „hässlichen Prachtstraße von Mitte“ („taz“) aufs Herzlichste verbunden. Davon zeugt ein eigenes Straßenfestival, das dort im vergangenen Jahr erstmals erfolgreich über die Asphaltbühne ging. Um ein handelsübliches Straßenfest dreht es sich bei der Angelegenheit, die jetzt in die zweite Runde geht, natürlich nicht. Als lauschige Flaniermeile wäre die Torstraße auch falsch ­besetzt. Ihre Werte liegen im Innern: in von der Gentrifizierung bedrohten Läden wie der Z-Bar und dem Schoko­laden, in Hipster-Orten wie dem St. Oberholz und dem CCCP, im Kaffee Burger, der Gaststätte W. Prassnik oder auch nahen Fast-Nachbarn wie White Trash, Grüner Salon und die 24-Stunden-Bar Mein Haus am See am Rosenthaler Platz. All diese illustren Orte öffnen zum Festival ihre Türen ausnahmsweise mal am helllichten Tag. Dann lassen sich rund 30 bekannte und obskure Rohperlen der Berliner Musikszene entdecken oder wiederhören, darunter die Diskurs-Pop-Minimalisten Mittekill, Antifolk-Poet ­Touchy Mob, Miss Kenichi, der Berliner Kneipenchor, ­Fenster, Masha Qrella oder auch eine Band mit dem keck mittekompatiblen Namen The Townhouses, die mit verspielten Laptop-Popminiaturen aufwarten. Auch Norman Palm wird am Frühabend im Schokoladen musizieren. Der Songwriter und Grafiker zählt zum Organisationsteam um Netzwerker und Torstraßenfan Andreas Gebhard. Ein Highlight im Programm ist auch der Auftritt von Art-Brut-Frontmann Eddie Argos im White Trash, der seine Zweitband vorstellt: Eddie Argos and The Lo-Fi Punk Rock Mother Fuckers. Damit findet sich auch ein namhafter Neuberliner auf der Liste. Ein bisschen internationaler Indie­-Flair darf schließlich nicht fehlen in Berlins rauer Mitte.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Dominic Simon

Torstraßenfestival, White Trash Fast Food, Kaffee Burger u.a., Sa 1.9., ab 14 Uhr, VVK: 14 Euro

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