Konzerte & Party

Das Trans-Siberian Orchestra im Tempodrom

Trans-Siberian Orchestra

Laserlicht und lange Haare, wenn man irgendetwas über das Trans-Siberian Orchestra sagen kann, dann, dass es von all dem sehr viel gibt. Viele Musiker, viele Sänger, viel Feuer, viel Licht – angetreten, um alles Dagewesene zu übertreffen. Und damit entspricht es dann eigentlich schon den gängigen Klischees, die man über amerikanische Shows so hat, inklusive der Familien mit Kutten und Kuscheltieren und Ein-Liter-Cokes, die im Publikum sitzen, wenn das Trans-Siberian Orchestra jährlich zur Advents- und Weihnachtszeit mit gleich zwei je 60 Mitglieder starken Ensembles durch den Osten und den Westen seiner Heimat tourt. Weil dieser Hybrid aus Oper, Musical und Hardrock-Konzert größte technische Ansprüche hat, war es gar nicht so einfach Amerikas erfolgreichste mobile Bühnenshow nach Europa zu importieren. Erst mal wurde das Programm optimiert, dann mussten Hallen gefunden werden, deren Decken so viel Gewicht tragen, um ausreichend Spektakel erzeugen zu können.
Gegründet wurde das Orchester 1996 von Paul O’Neill, einem freundlichen hageren Mann mit dunklen Haaren und dunklen Augen, der gern ausführliche Geschichten erzählt und ähnlich verrückt erscheint wie seine Shows. Der Produzent, der schon in Musicals wie „Jesus Christ Superstar“ und „Hair“ als Gitarrist mitwirkte, hat große Visionen. Damals überzeugte er die in eine Krise geratene Heavy Metal Band Savatage, mal etwas Neues auszuprobieren: eine Liaison mit klassischer Musik und Broadway-Sängern. Erst spezialisierte man sich auf Weihnachtsshows, doch als großer Fan des alten Europas hat O’Neill „Beethoven’s Last Night“ einem seiner liebsten Komponisten gewidmet, wohl auch weil er meint, Beethoven sei derjenige, der das Riff erfunden hätte.
Die Geschichte: In einer Frühlingsnacht 1827 tobt in Wien der schwerste Gewittersturm. Ludwig van Beethoven ist erschöpft zusammengebrochen. Vor ihm das vollendete Manuskript der 10. Symphonie. Sein letztes, sein größtes Werk. Doch als würde all das nicht genügen, kommt Mephisto und schlägt seinen üblichen Seelen-Deal vor. Dazu streichen Geigerinnen in Gothic-Kleidchen durch ein Lasergewitter, Gitarristen im Frack toben mit Funken sprühenden Instrumenten über die Bühne, Drummer schleudern ihr Haar vor einem LED-animierten altarähnlichen Bühnenbild. Und all das ist in Wirklichkeit noch überwältigender, als es klingt. Schade nur, dass es in Deutschland keine Ein-Liter-Softdrink Becher gibt.

Text: Laura Ewert

Trans-Siberian Orchestra, Tempodrom, Di 22.3., 20 Uhr, VVK: 25-50 Euro

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