Konzerte & Party

Das UM-Festival auf dem Gut Sternhagen

UM Festival

Die Berliner Musikerin und Plattenproduzentin Gudrun Gut hat sich zusammen mit ihrem langjährigen Partner, dem Technopionier Thomas Fehlmann, seit einigen Jahren auf Gut Sternhagen ein wunderbares Refugium in der Uckermark geschaffen. Einst entspannte sich hier die hauptstadtmüde Hautevolee der Zwanziger- und Dreißigerjahre, das Gut gehörte dem Generaldirektor der UFA Filmproduktionen und Stars wie Zarah Leander oder Max Schmeling kamen zu festlichen Diners. Für die Landarbeiter gab es Filmvorführungen im hauseigenen Projektionsraum und zur Erntezeit wurden Hoffeste mit Tanz und Unterhaltung gefeiert, bekannt bis über die Dorfgrenzen hinaus, bis ins 100 Kilometer entfernte Berlin.
Auch heute bebt dort einmal im Jahr die Erde: Vom 5. bis zum 7. September laden die Grande Dame des Underground, Gudrun Gut, und weitere rührige Berliner wie Tresor-Chef Dimitri Hegemann mit den Freunden der Uckermark e.V.  zum UM-Festival ein: Alle zwei Jahre gibt es Kunst, Musik, Literatur auf Weltstadtniveau, in der kargen, entvölkerten Eiszeitlandschaft zwischen Wäldern, Seen und den Weiten der ehemaligen LPG-Felder. Auch die Kunst findet draußen statt, und mit literarischen Hochkarätern wie Edgar Rai, Angelika Klüssendorf, Marion Brasch und Deniz Utlu wird Sprache  zum Erlebnis.
Auf Gut Sternhagen, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, werden am ersten Septemberwochenende die Nächte lang. Der nasty Turbo-Entertainer Khan tritt auf, abgeklatscht vom Ping-Pong-DJ- Set Thomas Fehlmann/Daniel Metйo (Shitkatapult). Schneider ™ & Tomoko Nakasato bringen eine Live-Tanzperformance. Antye Greie-Ripatti lädt Erwachsene und Kinder zum Mitmachen ins iPad/Smartphone Orchester. Die finnische Wortklangkünstlerin Islaja entführt in ihre ganz eigenen Raum-/Zeitspiralen, und Wolfgang Voigt, Visionär des Kölner Labels Kompakt, wird in Sternhagen seine Polkatrax vorstellen. Gudrun Gut über ihre Erfahrungen mit den Festivalgästen: „Die aus Berlin, die sind schnell fertig. Die gute Luft, die haut die um. Hier ist alles intensiver, das Zusammensein, die Kontakte. Nicht so oberflächlich wie an einem Berliner Clubabend in lauter Umgebung. Man kann ja nicht so schnell wieder weg!“
Ihrem letzten Album seit fünf Jahren, „Wildlife“, sind die Gummistiefelspaziergänge durch die hängenden Trauerweiden im anliegenden Lennйpark gut bekommen. In der Uckermark fand ?Gudrun Gut ihren Freiraum; aufgewachsen ist sie in der Lüneburger Heide, aber dahin hätte sie niemals der Weg zurückgeführt: „Ich weiß ja, warum ich von dort geflohen bin. In Westdeutschland ist mir alles viel zu saturiert.“ Und Gudrun Gut denkt an die verlorene Jugend der Uckermark: „Der Tourismus ist doch die einzige Chance. Mit unserem Festival wollen wir zeigen, was ist los in der Welt, in der Kultur, und die Synapsen in neue Bahnen führen. Vielen geht unser Engagement allerdings am Arsch vorbei.“ Aber da war eine Frau, die Gudrun aus Potzlow von der Supermarktkasse kennt, wie befreit tanzte sie durch die Nacht.
Schon vor zwanzig Jahren ?lebten nur 54 Einwohner pro Quadratkilometer in der Uckermark, Tendenz schwindend. Insbesondere, wer jung, weiblich und einigermaßen gut ausgebildet ist, geht. Wer aber zunehmend kommt, sind die Berliner.

Text: Silke Kettelhake

Foto: UM-Festival

UM Festival, Gut Sternhagen
Anfahrt: Richtung Pinnow, Fergitz, A?11, Ausfahrt Pfingstberg; Fr 5.9. – So 7.9., eine Spende  von 5 Euro ist erwünscht

www.um-festival.de

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