Konzerte & Party

Das war das Berlin Festival 2011

IMG_0021Als sich The Drums durch ihr Set auf der Hauptbühne kämpfen, stehen maximal 1000 mäßig gelaunte Zuschauer vor der Hauptbühne. Es ist 18 Uhr, zehn Bands haben da schon ihre Konzerte absolviert. Das ändert sich nicht wesentlich, bis Primal Scream drei Stunden später die Bühne betreten. Woran das liegt, ist hier noch nicht ersichtlich. Primal Scream, Suede, LFO, Santigold, Hercules & Love Affair –  am Aufgebot namhafter Bands jedenfalls nicht. Was dagegen, wie schon in den letzten Jahren, unangenehm auffällt, ist der quälend matschige Sound, vor allem auf den beiden kleineren Bühnen. Das Konzert der Brooklyner Indie-Rocker Clap Yours Hands Say Yeah ist überdies viel zu leise. Selbst den Nachbarn kann man noch in knapp 20 Meter Abstand zur Bühne gut verstehen. Santigold spielt anschließend mit großer Verzögerung gar nur eine halbe Stunde. Technische Probleme, wie es hieß. Vielen Zuschauern war der Frust durchaus anzusehen.

Primal-ScreamSelbst als die beiden Headliner des Abends, Primals Scream und Suede, zwei durchaus energetische Auftritte abliefert, verfolgen viele Besucher die Auftritte in wahrlich gesetzter Haltung. Was ist falsch, wenn die Konzerte, der eigentliche Mittelpunkt eines Festivals sind, wie Nebenschauplätze wirken? Tatsächlich wurde in diesem Jahr vieles richtig gemacht. Auf die nervigen Absperrungen zwischen den einzelnen Festivalbereichen wurde verzichtet. Die Hangar weit geöffnet, so dass man ungehindert von Konzert zu Konzert schlendern konnte. Allein, man fühlte sich verloren auf diesem riesigen Freigelände des ehemaligen Flughafens. Was an diesem Freitag fehlte, waren ganz einfach die Festivalbesucher. Die Stimmung ähnelte hier eher der auf einer Messe als der eines Festival. Man unterhielt sich und sah sich die Bands in entsprechendem Sicherheitsbbstand vom Bierstand aus an. Als Suede ihr Set mit ihrem Überhit „Beautiful Ones“ – pünktlich um 24 Uhr – beenden, brandet zwar Applaus auf, und der durchaus frenetisch, auf eine Zugabe verzichten aber sowohl Band, als auch Zuschauer.

/SuedeAm Samstag dann die überraschende Häutung. Am qualitativ schlechten Sound hat sich weiterhin nicht viel verändert, aber schon am Nachmittag ist das Gelände sehr gut gefüllt. Die Neuseeländer The Naked And Famous spielen am frühen Abend vor imposanter Kulisse einen soliden Gig. Ihr lieblich-rauer Electro-Pop wird gefeiert. Ebenso wie Zach Condon und seine Band Beirut, die mit ihrem Mix aus Balkan Brass und Folk zwar wie Fremdkörper inmitten des von Elektro geprägten Line-Ups wirken, aber konsequent begeistern. The Black Angels mit ihrem Derivat aus Blues- und Psychedelic-Rock gehen dagegen auf der Nebenbühne komplett unter. Ein Konzert ohne Höhen und Tiefen, dazu wieder viel zu leise. Da trifft die Musiker um Sänger Alex Maas überhaupt keine Schuld. Boys Noize, alias Alexander Ridha, dagegen ist ein absolutes Highlight. Sein Bassgewitter kommt ohne Nuancen aus, ist stumpft, bombastisch und wird unterfüttert von allerlei Bühnenzauber und Feuerfontänen. Was seine Wirkung nicht verfehlt. Wie schon beim letztjährigen Set des Hamburgers ist die Stimmung hier auf dem Siedepunkt, das Festival scheint in diesem Moment nahezu perfekt. Da tun sich anschließend selbst die Beginner mit ihrem gelungenen Comeback etwas schwer. Was bleibt also von der diesjährigen Berlin Festival-Ausgabe? Elektronische Musik, das zeigt dieser numinose Samstag, funktioniert immer. Mit allem anderen tut sich das Festival weiterhin nicht nur von technischer Seite her ziemlich schwer. Und auch wenn am Tempelhof die strengen Lärmschutzauflagen kaum zu umgehen sind, beim nächsten Mal, bitte: Macht einfach mal lauter.

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