Konzerte & Party

Das Wassermusik-Festival im Haus der Kulturen der Welt

Toto

Wo der Süden anfängt und wo er aufhört, kommt auf den Standpunkt des Betrachters an. Das Wassermusik-Festival versteht darunter nicht nur die sonnigen Breiten unterhalb des Äquators, sondern auch die in absoluten Graden südwestlich von Berlin gelegene Szene Londons und sogar den relativ südlichen Hauptstadtbezirk Neukölln.
Das ist weitgefasster Süden und dementsprechend groß ist die Bandbreite der geladenen Bands. Da sind zum Beispiel die algerischen Ragga-Hippies Gnawa Diffusion, deren tropisch blubbernde Psychobeats selbst boreal anmutende Regentage in gleißende Wüstenhitze tauchen. Die 76-jährige puerto-ricanische Salsa-Legende Eddie Palmieri heizt seit den 60er-Jahren den Schmelztiegel von New York an. Eine exotisch anmutende Mischung aus indischen, arabischen und ostafrikanischen Klängen haben Rajab Suleiman und seine Band Kithara im Gepäck. Sie kommen von der Insel Sansibar, die einst auf der Handelsroute zwischen Indien und dem arabischen Raum lag. Ska Cubano legen die lange verborgenen Verbindungen zwischen den politisch höchst unterschiedlichen und kulturell doch so ähnlichen Karibik-Inseln Kuba und Jamaika offen. Auf die noch viel ältere Tradition der äußerst poetischen indisch-afghanischen Ghasel-Musik beruft sich die New Yorker Sängerin Kiran Ahluwalia, die diese mit Elementen von portugiesischem Fado, keltischen Sounds, dem Desert Blues der Tuareg und nicht zuletzt mit Elektronischem mischt, ohne dabei jedoch in Beliebigkeit abzudriften. Und Juan de Marcos und seine Afrocuban Allstars krönen das Ganze mit dem unverzichtbaren Starzauber. Der Süden des Wassermusik-Festivals ist tatsächlich überall.
Diese und andere Konzerte sowie zahlreiche Filme und Gesprächsrunden deuten an, worum es dem Festival auch geht: Ein weites Beziehungsgeflecht geografisch nicht eindeutig festgelegter Statements träumt den exklusiven Traum einer von nördlicher Marktdominanz befreiten Musikwelt. Wenn die Wassermusik, gut 200 Kilometer südlich der Nordsee, nur nicht selbst Teil dieses Marktes wäre.

Text: Wolf Kampmann

Wassermusik, Haus der Kulturen der Welt, 21.7.–11.8.

Programm, Eintrittspreise und alle Infos unter www.hkw.de

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