Konzerte & Party

Das Young Euro Classic Festival 2014

Young Euro Classic

tip Frau Minz, jahrelang war das Festival im Konzerthaus beheimatet, aber dieses Jahr laden Sie aufgrund von Bühnenumbauarbeiten in die Philharmonie und den Admiralspalast. Entspringt die Zweiteilung des Festivals den dortigen logistischen Gegebenheiten oder gibt es auch zwei inhaltliche Schwerpunkte?
Gabriele Minz Unsere Heimat ist das Konzerthaus am Gendarmenmarkt, da haben wir 2000, im Jahrtausendwendejahr, angefangen: Das ist und bleibt der Ort, mit dem sich unser Festival verbindet. Aber wegen der Umbauarbeiten, die Sie erwähnt haben, müssen wir in diesem Jahr ausweichen – und ich bin sicher, dass wir zwei großartige Spielstätten gefunden haben, in denen Young Euro Classic seine volle Klasse entfalten kann und die uns andererseits zu einer Menge neuer Ideen inspiriert und animiert haben. Dies gilt insbesondere für den Admiralspalast, wo vom 8. bis 17. August der 2. Teil des Festivals stattfindet: Da wird sich Young Euro Classic so bunt, so vielfältig und kreativ präsentieren wie nie zuvor – mit Tanz und Oper, Operette und Jazz, mit mongolischer Musik aus der Weite der Steppe oder einem Composer Slam. Der Admiralspalast hat viel von der Atmosphäre einer Showbühne – und das wollen wir aufnehmen und nutzen. – Aber jetzt beginnen wir erst einmal mit fünf großen Symphoniekonzerten in der Philharmonie und da können wir unseren eigentlichen musikalischen Markenkern voll zum Klingen bringen: mit den herausragenden Jugendorchestern aus Frankreich (22.6.), Russland (23.6.), Rumänien (24.6.), China (28.6.) und Südafrika (29.6.). Das wird ein Hochgenuss für alle Young Euro Classic-Freunde und wir sind der Philharmonie sehr dankbar dafür, dass wir uns dort so spektakulär präsentieren dürfen.

Young Euro Classictip Das Orchestra Francais des Jeunes erinnert an den 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges und fungiert ebenso als Ausdruck der deutsch-französischen Freundschaft?
Gabriele Minz Ja, gerade angesichts der Ergebnisse bei den Europawahlen vor wenigen Wochen und der Ereignisse in der Ukraine scheint es uns wichtig, noch einmal daran zu erinnern, dass Friede und Freundschaft mit unseren vielen Nachbarn in Europa keine Selbstverständlichkeit sind. Und da spielt Frankreich natürlich eine absolut herausragende Rolle. Aber das tragen wir natürlich nicht mit dem Holzhammer in den Konzertsaal. Wer sich erinnern mag, soll es tun – zum Beispiel bei diesem französischen Konzert mit Beethovens „Leonoren-Ouvertüre“ und ihrem Befreiungsmotiv oder Ravels Klavierkonzert D-Dur für die linke Hand, das für den Pianisten Wittgenstein komponiert wurde, der im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren hatte. Die Politik schwingt, wie fast immer bei Young Euro Classic, unterschwellig mit, aber in erster Linie ist das natürlich ein großer musikalischer Eröffnungsabend.

tip Das All-Russian Youth Orchestra vereint Musiker aus verschiedenen Regionen Russlands. Wie wichtig ist die Teilnahme des Orchesters vor dem Hintergrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine?
Gabriele Minz Sehr wichtig! Wenn die Politik aus den Fugen gerät, ist es immer gut, wenn die Kultur Brücken bauen kann. Aber ich möchte betonen: Wir haben das russische Jugendorchester schon lange vor Beginn der Auseinandersetzungen in der Ukraine eingeladen. Erstens: weil es großartig ist, und zweitens gehört in diesem gedenkstarken Jahr mit der Erinnerung an den Ausbruch des Ersten und des Zweiten Weltkriegs sowie an den Mauerfall Russland auf jeden Fall zwingend dazu.

Young Euro Classictip Im Admiralspalast wird es einen Composer Slam geben. Wie ist das Konzept des Abends und wie lang die Ausschnitte der vorgestellten Werke?
Gabriele Minz Das wird ein ganz spezieller Festival-Sonntag, dieser 10. August im Admiralspalast! Es ist der Tag der renommierten Jungen Deutschen Philharmonie. Am Vormittag um 11 Uhr wird noch einmal das „Watschenkonzert“ nachgespielt: Nach Werken von Weber, Zemlinsky, Schönberg und Alban Berg war das Publikum in Wien vor hundert Jahren so aufgebracht, dass Freunde und Feinde dieser neuen und ungewohnten Musik mit den Fäusten aufeinander losgingen. Am Nachmittag gibt es den Composer Slam, den Sie angesprochen haben: Da gibt es fünf Uraufführungen und eine Deutsche Erstaufführung, also jede Menge zeitgenössische Musik. Hoffentlich ohne Handgreiflichkeiten… Das Publikum kann dann entscheiden, welches das Beste der neuen Werke ist. Das wird dann am Abend vor großem Publikum noch einmal aufgeführt – zusammen mit Stücken von Schönberg, Nunes und Mozart. Ein ziemlich einmaliger Musik-Mix für Menschen, die sich gerne überraschen lassen…

tip Eine weitere Form des Wettbewerbs stellt der Europäische Komponistenpreis dar. Woher stammen die Nominierten?
Gabriele Minz Der Komponistenpreis wird vom Regierenden Bürgermeister ausgelobt – für die beste Uraufführung oder Deutsche Erstaufführung während des gesamten Festivals. Er ist mit 5000 Euro dotiert – für viele junge Komponisten, die finanziell meistens nicht gerade auf Rosen gebettet sind, eine stattliche Summe. Die 11-köpfige Jury besteht, unter fachmännischer Leitung, aus interessierten Laien, die sich bei uns beworben haben. Dieser Komponistenpreis wird übrigens auch bereits zum 15. Mal verliehen – seit dem Jahr 2000 sind bei Young Euro Classic immerhin 182 Ur- und Deutsche Erstaufführungen präsentiert worden, 71 davon wurden von uns in Auftrag gegeben. Ich würde mal behaupten: So viel neue Musik vor voll besetztem Saal gibt es selten in der Hauptstadt wie bei Young Euro Classic. – In diesem Jahr konkurrieren 10 Werke um die Auszeichnung, die Komponisten kommen aus China, Südafrika, Spanien und Deutschland.

tip 2015 kehren Sie zurück ins Konzerthaus. Das ist unumstößlich?
Gabriele Minz Ja, wie schon gesagt: Das Konzerthaus und Young Euro Classic gehören aus unserer Sicht fest zusammen. Aber wir freuen uns trotzdem auf dieses besondere Festival-Jahr 2014 mit seinen ungewöhnlichen Bedingungen und hoffen, dass unser wunderbares Publikum das mitmacht und dem wichtigsten Jugendorchester-Festival der Welt die Treue hält. Denn: Hier spielt schließlich die Zukunft!

Interview: Ronald Klein

Young Euro Classic, 22.-29. Juni 2014, Philharmonie, 08.-17.08. August 2014, Admiralspalast

Mehr Informationen: www.young-euro-classic.de

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