Konzerte & Party

David Bowie: Blackstar

Bowie Blackstar„Lazarus“ hat man jüngst schon in New York zu hören bekommen, bei einer Musical-Adaption des Science-Fiction-Films „The Man Who Fell To Earth“. Damit verwies Bowie weit zurück in sein Schaffen. Das war kein so gutes Indiz. Diese Ikone der Rockmusik hat in den vergangenen 35 Jahren mehrfach versucht, sich neu zu erfinden, aber nichts davon war, wenn wir mal ehrlich sind, so tiefgreifend überwältigend wie das bis „Scary Monsters“ andauernde Werk. Wäre er jetzt noch einmal marktschreierisch zum Geist der Siebziger zurückgekehrt, hätte dies erschreckend konservativ gewirkt.
In Wahrheit sieht es aber anders aus. Wir vernehmen nervöses Drumming, ein wie durch den Raum schwebendes Saxofon, eine gehetzte Atmosphäre, aber auch einen mit dem Rotlichtszenario entspannt umgehenden Meister, der schwärmt: Man, she touched me like a dude. Im Laufe des Stücks „Tis A Pity She’s A Whore“ zeigen sich die Fähigkeiten im Bowie-Umkreis bislang nicht aufgefallener Leute in vollem Umfang. Es ist der amerikanische Jazz-Saxofonist Donny McCaslin, Bassist Tim Lefebvre, Schlagzeuger Mark Guiliana und Keyboarder Jason Lindner, die gut miteinander bekannt und aufeinander eingespielt sind. Sie sorgen auch in der neuen Aufnahme von „Sue (Or In A Season Of Crime)“ für die perfekte Begleitung. Man hört einen subtil eingesetzten Breakbeat, dazu gräbt sich ein weiterer Gast, Gitarrist Ben Morden, mit nagenden Akkorden ins Bewusstsein.
„Blackstar“ besteht aus sieben Stücken. Sie sind so komplex strukturiert und unberechenbar arrangiert, dass man sich auch nach mehrmaligem Hören noch fragt, ob man in einer Welt der Wunderdinge gelandet ist. Es sieht ganz so aus, als habe sich der am 10. Januar verstorbene David Bowie mit etwas ganz Besonderem verabschieden wollen.

Text: Thomas Weiland

David Bowie, Blackstar (Columbia / Sony)

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