Konzerte & Party

David Judson Clemmons im frannz

David Judson Clemmons

Fast könnte man meinen, in der Brust von David Judson Clemmons schlagen zwei Herzen. Da ist zum einen das rockende, schnell-schlagende Herz, das mit seiner Band JUD in unregelmäßigen Abständen, dafür umso lauter und heftiger die Oberhand gewinnt. Und dann ist da die ruhige, in sich gekehrte und dennoch nicht minder intensive Seite des Singer/Songwriters. Über Jahre hinweg hat er diese Hälfte seines musikalischen Outputs unter dem Bandnamen The Fullbliss veröffentlicht, seit seinem Solo-Debüt „Life In The Kingdom Of Agreement“ tut er dies nun auch unter seinem eigenen Namen.
Neueste Veröffentlichung des 45-Jährigen ist das im Spätsommer letzten Jahres erschiene Album „Cold White Earth“ – aufgenommen mit minimalistischer Instrumentierung in einem Kellerstudio in Berlin und von den Kritikern in höchsten Tönen gelobt. 11 Songs, die den Albumtitel musikalisch perfekt umsetzen und in den entscheidenen Moment dennoch so viel Wärme ausstrahlen, dass an ein inneres Erfrieren nicht zu denken ist.
Ende Januar ist Clemmons nun auf Deutschland-Tour und schaut natürlich auch für einen Abend in seiner Wahlheimat vorbei. Auf der Bühne präsentiert er sein Album in Bandstärke. Zusammen mit seinen JUD-Bandkollegen James Schmidt (Drums) und Jan Hampicke (Bass/Gitarre) ist neuerdings auch Oliver Grauer (Gitarre/Bass) mit von der Partie. Als besonderer Gast wird ausschließlich in Berlin Björn Werra am Contra-Bass dabei sein, ein alter Weggefährte aus Fullbliss-Zeiten.
Doch egal, ob Clemmons in Bandstärke nun gerade den Rocker oder den Singer/Songwriter gibt: Gemeinsam ist seinen Songs eine stets unausweichliche Dunkelheit, sowie das tragende Element der Melancholie. Wenn der in Berlin lebende US-Amerikaner auf der Bühne steht, kehrt er sein Innerstes nach außen, läßt den Zuhörer ohne jede Berührungsangst an seinem Innenleben teilhaben. Das artete in früheren Zeiten dann mitunter auch schon mal dazu aus, dass er sein Publikum beschimpfte, wenn sich die Leute in den ruhigen Passagen zu laut unterhielten und offensichtlich nicht bei der Sache waren. Konzerte, die Clemmons unter seinem Namen gibt, sind eben keine reine Spaßveranstaltung – sie sind intensive Seelentrips in eine Welt voller Nachdenklichkeit, aber auch wunderschöner Melodien. Eine Reise also, auf die man sich einlassen muss, um am Ende feststellen zu können, dass auch dies Spaß machen kann. Und fürs Abrocken gibt es ja dann mit Sicherheit auch irgendwann mal wieder ein Jud-Konzert.

Text: Martin Zeising

Foto: Craig Hull

David Judson Clemmons, frannz, Do 26.01., 21 Uhr, 12 Euro

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