Konzerte & Party

The Dead Weather: „Horehound“

The Dead Weather: Jack White versucht sich im Hintergrund zu halten. Und doch sind alle Augen und Ohren auf den White-Stripes- und Raconteurs-Schöpfer gerichtet: was will er mit einer dritten Band? Auf jeden Fall am Schlagzeug sitzen. Was Meg kann, kann ich schon lange, eine gelinde gesagt untertriebene Annahme. Jack White ist ein fabelhafter Drummer. Er treibt die Band vor sich her, heizt ihr ein, gibt seine ruppigen Befehle, und alle spielen ihren Part, als wären sie die Alter Egos. Jack Lawrence, der stoische Brillenträger und Bassist von den Raconteurs, Dean Fertita von Queens Of The Stone Age mit Orgelparts, die wie in „I Cut Like A Buffalo“ dem entfesselten Wahn nah sind, an die Bluespsychedeliker Vanilla Fudge erinnern, ein irrer Song, der anreißt, aber unbefriedigt zurücklässt, so unfertig, so Effektverliebt ist er. Ein Problem des ganzen Albums.
Im Spotlight steht Alison Mosshart, die Sängerin von The Kills. Deren sexy schmutziger Electropunkblues ist letztlich ähnlich dem Pop verpflichtet wie etwa die Musik der Raveonettes, und genau das hat man vielleicht gehofft, als die ersten Gerüchte zu dieser neuen Supergroup die Runde machten. Ein bisschen Pop, ein bisschen Girlpower, stattdessen klingen The Dead Wea­ther wie The White Stripes und The Raconteurs. Gut genug ist das alle­mal, denn der stets geheim­nis­volle White liebt an Mu­sik das Gerippe mehr als das Fleisch.
Und immer hofft man so auf Offenbarungen, denn Jack White ist ein Mann mit Mission. Sein eigenes Plattenlabel heißt Third Man Records, und nun baut er in Nashville, nicht mehr Detroit, ein ganzes Imperium drum herum: Plattenladen, Ana­­logstudio, Probebühne. Und ginge es nach ihm, würden Third-Man-Produkte zuallererst auf Vinyl erscheinen, mit Sicherheit eine der interessanteren Antworten auf den Nie­dergang der Musikindustrie. Und dazu gehört eben auch die Idee der Unreife: ein Bandprojekt starten, ohne an die Ewigkeit zu denken. Abgesehen von einem Dylan-Cover („New Pony“) teilt man sich auf „Horehound“ die Autorenschaft paritätisch, Vision, Motivation und Energie sind herausragend, allein die Songs lassen Wünsche offen.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Annehmbar

The Dead Weather, Horehound (Third Man/Sony)

Mehr über Cookies erfahren