Konzerte & Party

Dean Blunt in der Berghain Kantine

DeanBluntUm ermessen zu können, was für ein Typ dieser Dean Blunt ist, muss man sich nur seine jüngste Veröffentlichung vorknöpfen. Das Album „Stone Island“ hat auf eine Weise den Weg an die Öffentlichkeit gefunden, die man nur als außergewöhnlich bezeichnen kann. Aufgenommen hat er es vergangenen Sommer spontan in einem Hotelzimmer in Moskau. Man kann es sich über eine russische Website (volna.afisha.ru/archive/dean_blunt_stone_island) herunterladen und sollte das auch tun. Der oft kryptisch komponierende und das Image des rätselhaften Künstlers pflegende Produzent aus London hat nur knapp 25 Minuten Material anzubieten, aber immerhin nähert er sich in dieser kurzen Zeit ausnahmsweise konventionellen Songstrukturen an. So etwas gibt es bei Blunt sonst nicht. Er bleibt gerne vage.

Hier aber taucht schon einmal ein gerader Groove auf, ein nur von der Akustikgitarre begleiteter Folk-Song oder das Spiel mit Streichern, Harfen oder Naturgeräuschen. All das hat er in rudimentärerer Form kurz vorher schon auf seinem gefeierten CD-Album „The Redeemer“ durchexerziert. Dieser Mann ist einer, der aus der Reihe fällt, und das in Zeiten, wo in der Musik vieles glatt, perfekt oder schnell klar ersichtlich ist. Meistens muss man sehr genau darüber nachdenken, was Blunt in den Sinn gekommen ist. Ist es Synth-Funk, Jazz mit billigen Drum-Maschinen, Rotlicht-Soul, Easy Listening oder ein schräges Sample-Abenteuer? In solche Richtungen muss man denken. Was nicht heißt, dass Blunt sich für seinen Berlin-Gig nicht etwas komplett Neues ausdenken wird.

Text: Thomas Weiland

Dean Blunt Berghain/Kantine, Fr 22.11., 22 Uhr,  VVK: 13 Ђ zzgl. Gebühr

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