Konzerte & Party

Deap Vally im Magnet Club

DeapVallyIn einem Häkelkurs haben sich Lindsey Troy und Julie Edwards 2011 kennengelernt. Zwischen Luftmaschen und Lochmustern also soll sich eine der wildesten jungen Bluespunk-Truppen Amerikas gefunden haben. Ausgerechnet. Das wirkt schwer vorstellbar – angesichts der rohen Energie, die das Duo, das sich Deap Vally nennt, in seinen Songs verschießt. „End Of The World“ etwa ist eine archaische Dampfwalze von einem Song, der auf einem fuzzverzerrten Gitarrenton samt Drumbeat reitet, bevor der Song in einen infektiösen Gitarrengroove explodiert. Sängerin Troys fordernder, soulgeprägter Gesang, der von fern an Keren O. erinnert, klingt teils schrill, teils cool – im guten Mischungsverhältnis.

Seelenruhig häkelnd kann man sich so jemanden kaum vorstellen. Dann wiederum tappt man in eine Denkfalle, wollte man es „bad girls“ wie ihnen von vornherein absprechen, sich für Nadelarbeit zu interessieren. Der Garnladen im bunten Atwater Village nahe der Hollywood Hills jedenfalls schmückt seine Webseite stolz mit einem textilen Werk von Schlagzeugerin Edwards. Auf dem Debütalbum „Sistronix“ ist von Feinarbeit freilich wenig zu ahnen. Die Drummerin mit der dunklen Lockenpracht entfacht einen Druck und eine Dynamik, wie man das bei einer Newcomer-Truppe selten hört. Inspiriert fühlen sich Deap Vally vor allem von Klassikern wie Led Zeppelin, Black Sabbath oder den rauesten Momenten der Doors. Allein aufgrund der sexgeladenen, exaltierten Bühnen-Performance – wofür die beiden Frauen, die vorher schon in diversen L. A.-Bands spielten, eine Schwäche haben. Eine Freundin habe ihr mal gestanden, dass sie sich nach Deap-Vally-Auftritten immer ziemlich „horny“ fühle, erzählte Edwards unlängst. „Stolz“ habe sie das gemacht.

Als Feministinnen verstehen sich die beiden schon. Wenn sich derzeit jemand abgebrüht in der Männerdomäne Rock’n’Roll behauptet und sich männlicher Symbole ermächtigt, dann sei das ja wohl ihre Band, findet das Duo. Um Gender-Themen dreht sich folglich ein großer Teil der Songs, so „Gonna Make My Own Money“, in dem Troy dagegen wettert, Frauen festgelegte Rollen zu verordnen. Ob die einen lieber E-Gitarre spielen und andere lieber Decken stricken, sollte doch bitte schön jede für sich selbst entscheiden. Manche können ohnehin beides ganz famos. Wenn Deap Vally etwas nicht brauchen – dann Nachhilfe in Sachen Rock’n’Roll.

Text: Ulrike Rechel

Deap Vally + Jjuujjuu Magnet Club, So 24.11., 21 Uhr, VVK: 16 Ђ zzgl. Gebühr

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