Konzerte & Party

Dear Reader in der Volksbühne

Dear Reader

Cherilyn MacNeil ist fast schon ein alter Hase unter Berlins internationaler Musiker-Riege. Die Bandchefin von Dear Reader und Inhaberin eines südafrikanischen Passes radelt gern durch ihren Kiez am Tempelhofer Feld und ist bestens vernetzt: Im April etwa wurde sie für ihre Songs im Kinohit „Oh Boy“ mit dem Deutschen Filmpreis geehrt; dieser Tage brachte sie ein Live-Album mit dem Filmorchester Babelsberg heraus. Berlin kann man fraglos als neue Heimat der Afrikanerin bezeichnen. Gleichzeitig beschäftigt sich die Endzwanzigerin intensiver denn je mit ihrer Heimat. Das neue, dritte Studioalbum von Dear Reader ist eine intensive Auseinandersetzung mit den Wurzeln. Auf „Rivonia“ taucht die Sängerin mit dem musicalreifen Sopran in eine Reihe von Merk- und Denkwürdigkeiten der Geschichte Südafrikas ein. In Stücken wie dem lodernden „Took Them Away“ erzählt sie von dem Bauernhaus im Wohnort ihrer Kindheit, in dem der ANC unter Nelson Mandela einst untergetaucht und verhängnisvoll aufgeflogen war. Anderswo reichen die Geschichten weiter zurück, etwa bis zu Zeiten, als der Goldrausch Glückssucher aus aller Welt nach Südafrika trieb. In allen Songs stehen feine Kammerpop-Arrangements und eigenwillige Vokalharmonien im Kontrast zu bitteren Erkenntnissen einer komplexen Spurensuche. Hinter dem raffinierten Art-Pop von Dear Reader, samt angedeuteter afrikanischer Stil-Elemente wie Call-And-Response-Gesänge oder afrikanischen Rhythmen, eröffnet sich ein spürbar persönlich geprägtes Landesporträt.

Text: Ulrike Rechel

Foto: City Slang/ Marcus Maschwitz  

Dear Reader + Einar Stray, ?Volksbühne, Mi 1.1., 20 Uhr, VVK: 20?/?18 Euro (erm.) zzgl. Gebühr

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