Konzerte & Party

Deichkind in der Columbiahalle

Es gibt Leute, die verstehen bis heute nicht, dass die Beastie Boys ihren Song „Fight For Your Right (To Party)“ einst als Rap-Parodie gemeint hatten. Stattdessen wurden die Genre-Verdreher für saufende Party-Prolls gehalten – von ihrem alten Hit lassen sie heute sicherheitshalber die Finger. Ganz so empfindlich sind Deichkind da nicht. Schließlich ist die Truppe um Produzent Sebi und DJ Phono seit ihrer Frühzeit tief in der Indie-Kultur verwurzelt; es schien lange, als schafften sie es nie über ihren Geheimtippstatus hinaus. Da sah es nach einem Akt kühner Selbstvernichtung aus, als Deichkind im Fernsehen bei Stefan Raab plötzlich zur durchgeknallten „Electric Super Dance Band“ in Glitzeranzügen mutierte – und ein völlig ratloses TV-Publikum zurückließ. Spätestens aber seit „Remmidemmi“, ihrer Partyhymne von 2006, fiel allerorten der Groschen.

Der schwarze Humor der Hamburger übertrug sich wie ein Lauffeuer, Aso-Appeal а la „Wir tanzen auf den Tischen, die Stimmung ist beschissen“ ist seither hoffähig. Selbst Raab-Zuschauer kringeln sich mittlerweile über die herben Deichkinder. Kein Wunder, dass es das neue Album „Arbeit nervt“ hoch in die Charts schaffte. Inspirationen liefert die gegenwärtige Prollkultur zwischen Online-Poker, Besenkammersex und Vollrausch.

Dafür verquirlt die Band mit gewohnt scharfer Beobachtung Gossensprache mit Bildzeitungs-Zeilen und Koma-Lyrik, textet Slogans wie „Kein Gott! Kein Staat! Lieber was zu saufen!“ Dass Subtilität keine große Rolle mehr spielt, liegt auf der Hand. Die Deichkind-Hämmer nutzen sich rasch ab, der Weg weist schnurgerade Richtung Ballermann, dort, wo auch „Remmidemmi“ längst zum Repertoire zählt –zwischen Grotten-Hits а la „Ich hab ’ne Zwiebel auf dem Kopf (Ich bin ein Döner)“ und Scooter.

Text: Ulrike Rechel

Deichkind Columbiahalle, Do 18.12., 21 Uhr, VVK: 21,60 Ђ
Tickets hier

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