Rock & Soul

Den Mord beim Namen nennen: Ben Harper

Ben Harper ist ein Mann der Harmonie, aber auch der klaren Worte

Foto: Danny Clinch

Es ist immer die große Frage, was genau er sich für ein neues Album ausgedacht hat. Ben Harper (Foto rechts) ist darauf erpicht, sich immer wieder zu verändern. Das war schon so, als er vor 22 Jahren auf seinem ersten Album „Welcome to the Cruel World“ zur Einstimmung mit einer Folk-Ballade begann, dann Blues-Rock-Elemente einsetzte, mit Reggae zu experimentieren begann und in „Like A King“ das Problem des von der Polizei zu Unrecht getöteten Rodney King ins Spiel brachte. Nichts davon hat ihm geschadet. „Ich entscheide mich aus dem künstlerischen Gefühl heraus und nicht nach irgendwelchen kommerziellen Erwägungen. Das ist natürlich schon riskant, aber ich bin froh, dass die Zuhörer sich entspannt mit meinem Material auseinandersetzen“, sagt der Sänger.

Harper hat nie genug von Veränderungen. 2004 erschien das hervorragende Gospel-Album „There will be a Light“, das in Zusammenarbeit mit The Blind Boys of Alabama entstand. „Lifeline“ war 2008 die für acht Jahre letzte Koproduktion mit der eigenen Begleitband The Innocent Criminals. Dafür arbeitete er 2013 zum ersten Mal ein ganzes Album über mit Blues-Gitarrist und Mundharmonikaspieler Charlie Musselwhite auf dem Album „Get Up!“ für Stax zusammen. Dieses Label bringt man sofort mit den Soul-Größen William Bell, Eddie Floyd oder Johnnie Taylor in Verbindung. „Es fühlt sich so an, als könnten wir für das Label etwas Frisches beitragen und helfen, den Sound für eine neue Ära zu bestimmen“, sagt Harper. „Das Wichtigste dabei ist für mich, dass wir nicht krampfhaft versuchen, das ganze Ding neu zu erfinden. Wir müssen unsere Hilfsmittel punktuell erneuern, aber auf keinen Fall alles überdenken. Ein neues Rad und schon ist die Maschine wieder flott.“

Auch das aktuelle Album „Call it what it is“ ist für Stax eingespielt worden. Erneut fühlte sich Harper gezwungen, kritische Bemerkungen zum Zustand einer aus den Fugen geratenen amerikanischen Gesellschaft zu machen. „Government, policing, hard time, oppression, racism, fear, suffering ain‘t easy“, beobachtet er. Und mahnt an, dass man Dinge Mord nennen soll, wenn der Tatbestand vorliegt. „Was Übergriffe auf schwarze Menschen angeht, ist über die Jahre nicht genug gemacht worden. Auch die Polizei muss die Gegenreaktionen ertragen. Es entwickelt sich im Augenblick eine Eigendynamik, wir stehen vor einer entscheidenden Wende. Niemand kann jetzt noch sagen, was passieren wird.“

Immerhin kann sich Harper jetzt auf den Weg nach Europa machen, um auf andere Gedanken zu kommen. Es habe ihn immer sehr gefreut, sagt er, in Berlin zu spielen. „Für mich ist es momentan eine aufregende Zeit in der Live-Musik, ganz generell gesprochen. Jeder Musiker will auf der Bühne alles geben. Auch wir sind jetzt an den Punkt gekommen, wo wir spüren, wie wir über die Jahre gewachsen sind. Die Musik in dieser Band kann sich einerseits entspannt, aber auch spannungsgeladen anfühlen. Das muss man auskosten.“

Columbiahalle Columbiadamm 13-21, Kreuzberg, So 25.9., 20 Uhr, VVK: 42 € zzgl. Gebühren

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