Konzerte & Party

Dengue Fever im Comet Club

Dengue Fever

Kambodschas kurz aufleuchtende Pop-Ära der späten Sechziger wird regelmäßig neu entdeckt, ob in Phnom Penh, Europa oder den USA. Die obskure Verbindung aus traditionellen Melodien und Falsettgesangsstilen einerseits sowie westlicher Psychedelic- und Surfrockklänge ist wohl auch eines der faszinierendsten Kapitel der Beat-Geschichte. Dengue Fever aus Los Angeles haben sich der goldenen Zeit alter kambodschanischer Pop-Platten verschrieben. Die Band um Gitarrist Zac Holtzman und Khmer-Sängerin Chhom Nimol hat nach ihrem Start 2012 mit Coversongs etwa von Kambodschas Star Sinn Sisamouth konstant ihre eigene Handschrift entwickelt. Staubige Twang-Gitarren, Farfisa-Orgel sowie Nimols glockenhelle Gesangsgirlanden verströmen eine abgedunkelte Sorte Romantik, tiefe Barjazz-Bläser stimmen den Neogarage-Sound irreal. Das jüngste, fünfte Album „The Deepest Lake“ ist entsprechend in der Gegenwart L.A.s verwurzelt. Darin besingt Sirene Nimol die abgerockten Ränder der Metropole, teils im Duogesang mit Bandkopf Holtzman. Es geht wahlweise um blutige Szenen, die die Musiker vor dem Studiofenster vis-б-vis eines Drogenasyls beobachteten, um die geisterhafte Kontaktaufnahme mit einem verstorbenen Künstlerfreund oder eine im Straßenstaub gefundene Querflöte, die auf die Spuren eines renommierten Soul-Veterans führte. Ein verwunschener bis psychedelischer Storymix, für den man auf die Ansagen der Band angewiesen ist – es sei denn, man spricht Khmer.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Chean Long

Dengue Fever, Comet Club, Falckensteinstr. 47, Kreuzberg, Mi 23.9., 20 Uhr, VVK: 17 Euro zzgl. Gebühr

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