Konzerte & Party

Denseland im Haus Ungarn

Denseland

Berlin hat viele Soundtracks. Je nach Empfinden ihres jeweiligen Schöpfers klingen sie warm oder kalt, hektisch oder entspannt, futuristisch oder nostalgisch. Das Berliner Elektronik-Projekt Denseland fasst all diese Aspekte zu einer einzigen Collage zusammen. Sänger David Moss, ein Urgestein der New Yorker Jazz-Avantgarde, der seit Jahrzehnten den Himmel über Berlin ansingt, stürzt sich mit den beiden Studiofricklern Hannes Strobl und Hanno Leichtmann ins Labyrinth des liebenswerten Molochs. Die Stücke der Band klingen wie ein unentwirrbarer Salat aus Kabeln, Rohren, Leitungen, Schienensträngen, Fahrspuren, Masten, Brücken und Unterführungen mit Massen von Menschen, Tieren und Fahrzeugen, die sich darüber hinweg-, darunter hindurch- und kreuz und quer durch die Mitte bewegen. Ihr neues Album „Like Likes Like“ ist eine minimalistische Hommage ans Zeitalter vor der Mülltrennung. „Am Anfang standen Improvisationen“, erzählt Hannes Strobl in seinem Studio im Wedding. „Als wir dann Stücke daraus machten, versuchten wir, die wesentlichen Dinge freizustellen und vieles rauszuschmeißen. Es geht ja darum, den Klang nachhörbar zu machen.“
Es sei eine ständige Verhandlung zwischen intimen und weniger intimen Momenten gewesen, ergänzt David Moss. „Grooves und elektronische Klänge haben ja zunächst nichts Intimes. Sie existieren überall, jeder kann darauf zugreifen. Aber sowie man sie mit Stimme und Geschichten mixt, werden sie in die Welt der Intimität gezogen. Und zwischen diesen beiden Dingen muss man sich immer wieder entscheiden.“
David Moss ist ein grandioser Erzähler, ganz egal, ob er seine skurrilen Storys zu Gehör bringt oder mit dem Variantenreichtum seines Vokaldesigns einen höchst individuellen Hör-Comic entwirft. Und Denseland entpuppt sich dabei als Ort voller Geschichten, der dem Blick von einem Hochhaus auf eine belebte Kreuzung gleicht. Ein singendes, klingendes Wimmelbild, das immer wieder entwirrt werden will und sich doch bei jedem Lichtwechsel zu einem neuen urbanen Ameisenhaufen verdichtet.

Text: Wolf Kampmann

Denseland, Haus Ungarn, Sa 18.5., 21 Uhr, AK: 10 Euro

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