Konzerte & Party

Depeche Mode im Olympiastadion

Depeche Mode

Es gab Zeiten, da hatten Martin Gore und Dave Gahan kein besonders nettes Verhältnis. Tourneen verliefen wortkarg, vielleicht hätte man sich getrennt, wäre da nicht das Weltunternehmen Depeche Mode zu verwalten gewesen. Das ist rund zehn Jahre her; inzwischen läuft es besser denn je zwischen dem Songwriter mit der Engelsstimme und dem Frontmann mit der abgründigsten aller Pop-Baritonlagen. Vielleicht hilft die räumliche Entfernung – Gore lebt in Kalifornien, Gahan mit Familie in New York, allein Band-Organisator Andy Fletcher wohnt noch in England. Wichtiger für die verbesserte Bandchemie aber waren wohl die Krisenjahre, in denen Gahan bekanntlich mehrmals dem Tod von der Schippe sprang und Gore eine ernste Alkoholkrankheit entwickelte, die die Aufnahmesituation des 2005er-Albums „Playing The Angel“ fast sprengte. Damals übernahm Gahan entschiedener als zuvor das Steuer und begann, sich als Songschreiber neben Gore zu behaupten – eine späte Emanzipation. Auch auf dem jüngsten Album „Delta Machine“, dem dreizehnten seit 1980, stammen Songs aus seiner Feder, etwa „Should Be Higher“, ein düsterer Hymnus an die Lust. Es ist das erste Werk seit Langem, von dem die Band selbst sagt, dass die Arbeit daran großen Spaß bereitet habe. Der Musik hört man die selige Stimmung nicht unbedingt an, so düster ist sie ausgefallen. Allerdings merkt man, dass die Band mit voller Kraft in ihrem Element ist – eine elektrifizierte Spielart von Blues und Gospel – und tief eintaucht in ihre Lieblingsthemen Lust, Erlösung und luziferische Verlockungen. Das Verlebte, das den Bandleadern ins Gesicht geschrieben steht, findet auch hierin seinen Ausdruck.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Anton Corbijn

Depeche Mode, Olympiastadion, So 9.6., 19.30 Uhr, ­ausverkauft

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