Konzerte & Party

Seit knapp 30 Jahren: Depeche Mode

Depeche ModeEs bedarf sicherlich keiner allzu waghalsigen Prognosen, dass auch „Sounds Of The Universe“ in Kürze weltweit wieder die Hitlisten anführen wird. Die Engländer sind ein seltenes Phänomen in der Pop-Geschichte, können Depeche Mode doch eine erstaunliche Bandbreite der unterschiedlichsten Jugendbewegungen zu ihren Fans zählen. Egal, ob Gruft, Punk oder Mainstream – auf Depeche Mode als kleinsten gemeinsamen Nenner können sich irgendwie alle einigen.
Angefangen hat die Geschichte einer der erfolgreichsten Popbands aller Zeiten 1980 in England als Vorband von Fad Gadget. Dave Gahan, Andy Fletcher, Martin Gore und Vince Clarke kleideten sich zwar genauso grässlich wie unzählige andere Popbands zu dieser Zeit auch, doch die Melodien, die sie aus ihren analogen Synthesizern zauberten, blieben im Ohr hängen.
Nur ein Jahr später schien der Traum vom Popstar für die jungen Engländer jedoch schon wieder ausgeträumt, verließ doch ausgerechnet Songschreiber und Mastermind Vince Clarke die Band, weil ihm der Tourstress zu sehr zusetzte. Während Clarke später mit Yazoo und Erasure dann doch noch auf Tour ging, erwies sich der Ausstieg für Depeche Mode im Nachhinein als Glücksfall. Martin Gore übernahm den Part des Songschreibers und schon auf dem 1982 erschienen Album „A Broken Frame“ erweisen sich die Songs des Goldchopfs als sehr viel tiefer gehend und mit deutlich längerer Halbwertszeit als die Pop-Perlen von Vince Clarke.
1984 verschlägt es die Band zur Abmischung ihres Albums „Some Great Reward“ nach Berlin. Die Hansa-Studios, in dem auch David Bowie aufgenommen hatte, lockte mit einem einem 56-Spur-Mischpult und einer technischen Möglichkeit, die damals noch weitgehend unbekannt war: Der Sampling-Technik.
Noch heute behauptet Blixa Bargeld, Chef der Einstürzenden Neubauten und damals ebenfalls im Hansa-Studio umtriebig, Depeche Mode hätten sich damals reichhaltig an Mülleimerfunden aus Neubauten-Aufnahmen bedient und daraus einen ihren größter Hits – „People Are People“ – gebastelt.
Und obwohl die Band den Vorwurf als absolut lächerlich zurückweist, erinnern sich Gahan, Gore und Co. noch heute gerne an ihre Zeit in Berlin. „Wir sind in Berlin erwachsener geworden.“, sagt Dave Gahan. „Als wir das erste Mal nach Berlin kamen, waren wir noch richtige Kinder. Und wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt auch nie viel Zeit außerhalb von England verbracht. Von daher hat uns das ziemlich die Augen geöffnet, das alte West-Berlin vor dem Fall der Mauer. Außerdem lebten hier eine Menge verrückter Leute, also Künstler und so. Was zu der damaligen Zeit einen großen Einfluss auf uns hatte. Berlin hat uns umarmt, eine tolle Stadt.“
Songwriter Martin Gore verschlug es nach den Aufnahmen für zwei Jahre sogar ganz nach Berlin. Von 1985 bis 1987 lebte er mit seiner damaligen deutschen Freundin Christina Friedrich im Westteil der Stadt.
Da scheint es dann kein Zufall, dass die erste Single-Auskopplung aus dem neuen Album ausgerechnet in Berlin ihre Weltpremiere feierte. „Wrong“ wurde Ende Februar auf der Echo-Verleihung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Lesen Sie hier: Die CD-Kritik von „Sounds Of The Universe“

Text: Martin Zeising

Depeche Mode im Olympiastadion
Mi 10.6.

BILDERGALERIE VON ANTON CORBIJN

KONZERTE IN BERLIN VON A – Z

Mehr über Cookies erfahren