Konzerte & Party

Depeche Mode waren in Berlin

„Guck dir mal die Massen an!“, die Begleitung wird das während des Abends noch öfter rufen und sich dabei verzückt im Kreis drehen. Fast 70.000 Menschen sind in Schwärmen zum Olympiastadion gepilgert, um sie zu sehen: Depeche Mode. Nun stehen sie auf den Rängen, auf dem abgedeckten Hertha-Rasen und trinken Bier und essen Brezeln. Fast 70.000 Menschen. Das muss man sich mal vorstellen.

Das Olympiastadion, das einzig zum Zweck gebaut worden zu sein scheint, um den Besucher zu überwältigen, steht noch in der vollen Abendsonne, als die Vorbands m83 und später dann „Polarkreis18 aus Dresden“ spielen. Das Publikum, in neuen und alten Depeche Mode T-Shirts, begegnet dem mit unaufgeregtem Desinteresse. Dave Gahan Doubles zünden sich eine Zigarette an, ein Mittvierziger, auf dessen Shirt „Göttingen“ steht, hält sich an seiner Liebsten fest und der Rest pendelt zwischen Merchandise-Ständen, Dixie-Toiletten und Bar hin und her.

Es sind schwarz geschminkte in hohen Plateau-Stiefeln, genauso wie hippe Clubkids und suspekte Sauftruppen, die darauf warten, dass Dave Gahan, der fast wundersam vom Blasenkrebs Geheilte, auf die Bühne kommt. Und dann, um kurz vor neun, kommt er auch. Auf den großen Bildschirmen rechts und links neben der Bühne sieht man einen alten weißen Mann und einen schwarzen Jungen. Während die Band den ersten Track „In Chains“ spielt, wird der Junge auf dem Bildschirm plötzlich alt und weiß, und der Alte wird jung und schwarz. Kurz hat man etwas Angst, es würde der Weltverbesserungs-U2-Ton angeschlagen werden, dann geht es aber auch schon kraftvoll nach vorne. Die Beats von „Wrong“ knallen ins Stadion und auf der Bühne brennt ein elektronisches Lichtfeuer.

Bei „Walking in my Shoes“, fühlte man sich dann ein wenig wie auf einer Ü-30 Party, und kann herrlich albern die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Es wird gesprungen, ein bisschen gerempelt und vor allem gekreischt. Irgendwann singt dann Martin Gore seine Balladen, „Zeit aufs Klo zu gehen!“, wie die Begleitung kommentiert, bevor weiter ein Hit nach dem anderen gespielt wird. Gahan wirbelt mit dem Mikrofonständer umher, das Publikum schreit. Bei „Policy of Truth“ laufen wir Hand in Hand im Zick Zack durch die Massen. Dann verlässt die Band auch schon das erste Mal die Bühne. Mittlerweile ist es dunkel. Auf den Rängen blitzen Kameralichter und Füsse trampeln die Musiker zurück auf die Bühne. Als dann 70.000 Menschen „Reach out and touch faith“ schreien, stellt sich einzig Glückseeligkeit ein. Bald wird das Stadionlicht angehen, die Massen werden sich nach draußen schieben, in die U-Bahn quetschen und darüber reden, wie ihr erstes „DeMo“ Konzert war und ob es Dave wohl wirklich schon wieder gut geht.

Text: Laura Ewert

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