Konzerte & Party

Der Bang Bang Club in Mitte

Bang Bang Club/Foto: Jens Berger

Wenn man so tut, als sei Indie-Musik praktisch der moderne Jazz, dann ist der Bang Bang Club die zeitgemäße Erscheinung eines Jazz­­clubs mit rotem Samt und blauem Rauch. Mit neuen, spannenden Musikern und neugierigen, diskursinteressierten Zuhörern. Nur läuft hier viel krachigere, lautere Musik, die meistens von jungen Leuten aus New York oder London gemacht wird. Und es gibt keinen Samt, dafür aber rotes Licht, und geraucht wird auch, allerdings nur im unteren Stock­werk. Sollte man es wagen, sich zum stylishen No-Label-Bier genussvoll eine Zigarette anzuzünden, wird man von anderen Gäs­ten aufgefordert, doch bitte draußen zu rauchen.
Die Indie-Leute meinen das ernst. Ihre strengen Ponys wa­ckeln gleichmäßig zu ir­gendeinem Takt, und die erste Reihe demonstriert schon zur Musik während des Büh­nenumbaus auffällig ihre Text­si­cherheit. Das Mädchen im schlabb­­rigen T-Shirt nimmt allen Ernstes auch während des Konzerts seine große Sonnenbrille nicht ab. Heute Nacht spielen hier die Crystal Stilts, eine Band, die sich nach Velvet Underground anhört, aber überhaupt nicht so aussieht. Die New Yorker werden in den Musikmagazinen als neue hippe Band gehandelt.
Hip ist wohl auch das Publikum. Und selbst das Mädchen hinter der Bar sieht ein bisschen aus wie ein Model aus Mitte. „Hierher kommen internationale Mode­jour­­nalisten, um Fotos zu machen“, erzählt Jacques Tiergarten, einer der zwei Betreiber des Clubs am Hackeschen Markt. Er wirkt wenig aufgeregt, wenn er das erzählt. Beim Aufzählen all der Bands, die schon mal hier waren – Bloc Party, The Rakes oder Libertines haben DJ-Sets gespielt –, kommt er ins Schwärmen. Get Well Soon oder Josй Gonzбlez sind hier aufgetreten, bevor sie bekannter wurden. Auch Moneybrother war da. Einige Bands haben im Bang Bang sogar einen Plattenvertrag bekommen. Tiergarten, selbst Musiker, hat in London gelebt, für Universal und John Peel gearbeitet. Obwohl der Club mit verschiedenen Agenturen, in Berlin zum Beispiel dem Karrera Klub, zusammenarbeitet, sucht er die Bands für die vier bis sechs Konzerte in der Woche selbst aus. So hat er sich in der Zeit seiner Eröffnung einen Ruf erarbeitet, der bis in andere Metropolen reicht.
Die Babyshambles oder Peaches Geldof kommen genauso zum Feiern wie Kids in Röhren­jeans und Chucks. Freitags zur „Death by Pop“-Party kommen sie oft auch aus Rom, London oder San Francisco. „Berlin hat auch im Indie-Rock-Bereich auf jeden Fall internationalen Stellenwert“, erzählt der Betreiber und nennt die Kollegen vom Scala oder White Trash, die auch dazu beigetragen hätten. Einige Musikfans gehen auch zu Konzerten von Bands, die sie gar nicht kennen, denn die sind vielleicht schon bald die neue It-Band. Und da hat das Bang Bang dann wieder den Charakter eines modernen Jazzclubs, in dem sich alte Männer bei Wein über Musik streiten. Aber so streng sehen das die Betreiber mit der Musik auch wieder nicht, sonntags läuft hier einmal im Monat Techno.

Text: Laura Ewert

Foto: Jens Berger

Bang Bang Club, Neue Promenade 10, Programm unter: www.bangbangclub.net

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