Konzerte & Party

Der Club Imperial und der Marx-Club in Mitte

Club Imperial

Es ist heute nicht so einfach, nach Mitte vorzudringen. Wegen der Fertigstellung der Kanzler-U-Bahn läuft an der Flaniermeile Unter den Linden nichts mehr, schon gar kein Verkehr. Überall wird gebaut, das Erscheinungsbild des Innenstadtkerns verändert sich ständig. Das hat längst auch Auswirkungen auf die Clubkultur. Wer heute im zentralen Bezirk neue Treffpunkte fürs Nachtvergnügen schaffen will, muss intensiv suchen. Am ehesten klappt es dort, wo Kultur schon zu Hause ist. Im Souterrain des Admiralspalasts zum Beispiel, wo man jetzt den Imperial-Club (Foto oben) findet. Der Name hört sich gediegen an, aber erst mal drin, fühlt man sich zunächst naturverbunden. Die Betreiber machen sich offenbar keine Sorgen um den Waldbestand. Für den Boden hat man Holzmaterial verwendet, an den Wänden sind Überreste von Baumstämmen zu sehen. Sonst ist es so, wie man es erwarten durfte. Der Konzertraum ist groß, an der Seite erstreckt sich eine längliche Bar und in einem Separee entdeckt man Raucher, einen DJ, eine kleine Tanzfläche und eine zweite Bar. Die vorherrschende Farbe ist Schwarz.
Der Eröffnungsabend ist nicht besonders gut besucht. Liegt es am Line-up? In der Regel ist es ja so, dass mit der ersten Veranstaltung Appetit auf mehr gemacht werden soll. Dafür braucht man aber andere Live-Acts. Die Band Silberrücken verschafft sich mit Voodoo-Masken sofort Respekt. Das Problem ist nur, dass sich ihr traniger und misanthropischer Death-Metal nicht im Geringsten verändert. Obendrein beleidigt der schwarze Sänger das Publikum mit derben Vokabeln. Dann doch lieber die Fun-Kapelle Otto Normal, deren Fans dem Sänger beliebige Worte vorgeben, die er in einen Freestyle-Text einbauen muss. Da kommt wenigstens Partystimmung auf. Die Musik lässt darauf schließen, dass man im Imperial-Club den Neunziger-Rock pflegen oder neu aufleben lassen will. Zuerst spielen dort aber Josй James, Panic! At The Disco, Krewella und Jason Isbell, also Künstler mit unterschiedlichem Stilempfinden. Im Imperial-Club soll es außerdem Ausstellungen und Installationen zu sehen geben.

Marx Club

Vom Admiralspalast ist es nicht weit bis zum Cafй Moskau. Wie hervorragend sich dieses denkmalgeschützte Gebäude als Club-Location eignet, weiß man seit der Nutzung durch das WMF zwischen 2002 und 2004. Seitdem hat sich an dieser Stelle nachts lange nichts getan. Jetzt unternimmt man mit rund renoviertem Interieur einen neuen Anlauf. Auch im Marx-Club (Foto unten) begegnet dem Besucher die Farbe Schwarz schon im Eingangsbereich. Bei der Gestaltung des Hauptraums hat man auf feine farbliche Kontraste geachtet. Orangefarbene Sitzflächen, knallig bunte Tischlampen auf dem Tresen und Neonleuchtröhren vermitteln einen Hauch von altmodischem Flair. Das gilt auch für eine abwechselnd mit metallischen und durchsichtigen Quadraten ausgestattete Wand vor dem großen DJ-Pult. In all dem entdeckt man einen Bezug zum Design der DDR-Zeit. Die räumliche Aufteilung entspricht dagegen der in mehreren Clubs der jüngeren Jahre. Der Star ist die Bar. Sie ist so üppig bemessen, dass sie den Zugang zu anderen Bereichen nach erstem Betreten gleich mal blockiert. So will man automatisch etwas bestellen und sich der zwischenmenschlichen Begegnung hingeben. Lecker! Die Musik wird in die House-Richtung gehen, dem Eindruck nach zu urteilen. Der Marx-Club dürfte eine Attraktion des Berliner Nachtlebens werden.

 

 

Text: Thomas Weiland

Foto Club Imperial (oben): David Sonntag

Foto Marx Club (unten): Promo

Club Imperial ?Admiralspalast, Friedrichstraße 101, Mitte

Marx-Club ?Cafй Moskau, Karl-Marx-Allee 34, Mitte

 

Mehr über Cookies erfahren