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Der definitive Gipfel des Doom-Metals: Shrinebuilder

ShrinebuilderFrühestens seit den Spätsechzigern sind Supergroups wie Cream oder Crosby, Stills, Nash & Young ein bekanntes Pop-Phänomen und die Sammelbezeichnung einer Spezies von Band, die sich rein aus pro­­minenten Protagonisten zusammensetzt.
Shrinebuilder lassen sich ebenfalls zu jener Größen-Gattung rechnen, auch wenn es sich in diesem Falle um eine alternative Allianz zum allgemeingültigen Allstar-Projekt han­delt. Da­für sind Scott „Wino“ Weinrich (The Obsessed, Saint Vitus) und Scott Kelly (Neurosis) an Gitarre und Gesang, Bassist Al Cisneros (Om, Sleep) und Dale Crover (The Melvins, Altamont) am Schlagzeug allerdings gleichbedeutend mit der (un)heiligen Union des Underdog-Untergrunds und einer Su­per­hel­den­vereinigung des Sludge und Stoner Rock. So ergibt sich aus der spektakulären Summe der Band-Einzelteile und ihrer Vertreter auch genau jenes monströse Phlegma-Magma abseits des Metal-Mainstreams, welches studierte Materiekenner genauso wie neugierig-offene Ohren gleichsam fesseln sollte. Bereits das achtminütige Eröffnungsstück „Solar Benediction“ ist mit seinem sonnenverdunkelnden, schwer dahergeschlepptem Riff, der Doppelgesangs-Dramaturgie und dem atmosphärisch ins­trumental mä­an­dern­den Mit­telteil bereits ein herrlich harter wie zäher Brocken. „Pyramid Of The Moon“ gibt sich zunächst noch schwerfälliger bis psychedelisch-mysteriös, bevor es sich in mantraartige Sphären schleift. Kein Grund das Tempo anzuziehen, auch „Blind For All To See“ folgt stoisch dem hypnotisierten Doom-Dröhner-Dogma. Allein das mit fünf Spielminuten verhältnismäßig kurz und knackig ausgefallene „The Architect“ sprengt den Rock-Ruhezonen-Rahmen.
Ansonsten jedoch erheben Shrinebuilder die blub­bernde Behäbigkeit und das Laben an der lauten Langsamkeit zum obersten Projektprinzip. Und sind dabei das akustische Äqui­valent zu einer vierfarbigen Lava­lampen-Legion: Nichts pas­­siert auf „Shrinebuil­der“ überstürzt, aber was passiert, fasziniert mit jedem Entwicklungsverlauf. Manchmal bedarf es eben nicht viel mehr als vier Anti-Helden und ganzer fünf Songs für ein großes Album.

Text: Danny Dubilski

tip-Bewertung: Hörenswert

Shrinebuilder, Shrinebuilder (Neuro/Cargo)

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