Konzerte & Party

Der Dice-Club öffnet

Dice Club
Foto: Harry Schnitger

Mit Bier und Zigarette in der Hand war es etwas schwer an den Fingern abzuzählen, trotzdem ver­suchten es einige an der Bar. Zusammen mit dem neuen Dice Club hat Berlin jetzt irgendwas zwischen neun und 13 Clubs, in denen Wochenende für Wochen­ende zu Techno getanzt wird. Brauchen wir wirklich noch einen mehr? Diese Frage stellten sich viele, die neugierig gekommen waren, um den neuen Club in der Voltairestraße zu besichtigen oder besser: die neue Baustelle.

Mehrere Millionen Euro sollen angeblich in das ehemalige Umspannwerk in Mitte investiert worden sein. Das liest man zumindest im Internet. 2000 Quadratmeter groß soll das würfelförmige Haus sein, mit Dachterrasse und mit einer dieser von Clubgän­gern fast religiös verehrten Function-One-Anlagen ausgestattet. Die Anlage steht schon da, ansonsten ist nur zu erahnen, wie es hier mal aussehen könnte. Hohe Räume, weiße Wände und alte Ap­paratschaften des Umspannwerks mit Industriecharakter. Hinter dem DJ hängen LED-Tafeln, die nervös pixelig zucken. An einige Wände wurden pink Kreuze gesprüht – die Mauern sollen wohl noch rausgerissen werden.

Schon vor den ersten Partys war im Internet vom heißesten Club der Stunde die Rede. Da wurde der Inhaber zitiert, der vom „neuen Zeichen der Hauptstadt“ sprach und von „szenig, cool und urban“. Als dann der Vergleich mit dem Berghain aufkam, waren alle aus dem Häuschen. Genauso aber wurde auch da vor der ersten Party gelästert: ein Club ohne Seele, einzig und allein zum Geldverdienen da. Der große Ausverkauf, was der gemeine Raver eben refelexmäßig schreit. Wer in Berlin mit viel Geld einen Club aufmacht, der nicht mit der Szene gewachsen ist, wer als Veranstalter nicht Teile seiner Ausstattung in ostdeutschen Ruinen zusammengeklaut hat, der hat es in Berlin schwer, Glaubwürdigkeit zu erlangen.

Betreiber Isan Oral findet man im Netz auf Bildern mit Udo Walz und Desirйe Nick. Den ehemaligen Callcenter-Chef aus Mannheim und Ex-Geschäftsführer des Schi­cki-Dining-Clubs Bangaloo, würde man auf den ersten Blick nicht unbedingt mit der Technoszene in Verbindung bringen. Dass aber mit Elektroclubs in Berlin Geld zu verdienen ist, hat sich wohl auch in den anderen Nischen der Gastronomie rumgesprochen.

Auf den ersten halb öffentlichen Partys sammelte sich ein diffus gemischtes Publikum, das über Löcher im Boden stolperte und auf Rigipswände und Plastikfolien blickte, die den geplanten Mainfloor abschirmten. Stimmung kam in der Baustelle nur schwer auf, auch wenn hinter dem DJ-Pult viele bekannte Namen oder Gesichter standen. Die für das Booking zuständigen Mitarbeiter konnten einige der clublosen Partyveranstalter und deren Crews gewinnen, die dieser Stadt Wochenende für Wochenende Partys schenken, die nicht in allen Programmhinweisen zu finden sind. An der Bar spricht jemand von der zweiten Bundesliga der Veranstalter, die gebucht worden sei, um den Freitag zu etablieren. Super sagen die, endlich jemand, der uns eine Spielwiese bietet.

Schweinerei, sagen andere, Ver­anstalter werden eingekauft, um dem Club eine Identität zu geben. In der Tat fehlt dem Dice – trotz eines interessanten Programms – bisher ein Vertrauen erweckendes Gesicht, wie es andere Clubs haben. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass die Räume noch nicht fertig ausgebaut sind. „Hat Potenzial“, ist das Fazit der meisten Gäste, die vor den verstopften Toiletten warten, und richtig los gehe es ja auch erst im Februar.

Text: Laura Ewert

Offizielle Eröffnung: 14.02.09, www.dice-club.de

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