Dada-Pop

Der Plan – Schräger NDW im Arkaoda

Komische Käuze – Die schrägsten Protagonisten der Neuen Deutschen Welle: Der Plan

Oliver Schultz-Berndt

Jede Bewegung braucht ihre Clowns. Nun war die kleine Pop-Revolution in der alten BRD, die um 1980 unter dem Label „Neue Deutsche Welle“ vermarktet wurde, nicht gerade arm an kuriosen Gestalten. Doch Der Plan waren unter vielen komischen Käuzen die seltsamsten. Was nicht zuletzt daran lag, dass sich in Düsseldorf mit dem Kunstmaler Moritz Reichelt, dem wegen K-Gruppen-Mitgliedschaft vom Berufsverbot bedrohten Lehramtsanwärter Frank Fenstermacher und dem bereits bei den frühen DAF und Fehlfarben dilettierenden Keyboarder Kurt „Pyrolator“ Dahlke drei, wie Hollow Skai in seiner NDW-Anthologie „Alles nur geträumt“ schrieb, „totale Autodidakten ohne jeden Rock’n’Roll-Hintergrund“ zusammengetan hatten, um mit Küchengeräten, Kinderspielzeug und Billigsynthies Klänge zu fabrizieren, die „definitiv an nichts erinnerten, was man bis dahin gehört hatte.“

Interessanterweise sorgte der DIY-Gestus nicht nur für einen Sympathievorschuss, sondern führte zu schwerelos-hintersinnigem Dada-Pop, der mitunter, wie bei den Singles „Da vorne steht ne Ampel“ oder „Gummitwist“, sogar Hitpotenzial entwickelte. Eine stringente Karriere war Der Plan nicht vergönnt, aber ihre sonstigen beruflichen Aktivitäten lassen den Herren offenbar genug Spielraum, um ihrer labyrinthischen Bandhistorie immer mal wieder ein neues Kapitel hinzuzufügen. So wie 2017, als ihr achtes Album „Unkapitulierbar“ den Beweis erbrachte, dass Sixtysomethings noch ziemlich schräge Vögel sein können.

Arkaoda Karl-Marx-Platz 16, Neukölln, Do 22.11., 21 Uhr, VVK: 19 €

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