Konzerte & Party

Der Preis ist lau

Hagen Liebing„Deutscher Musikautorenpreis“, „Köstritzer Echolot“, „F6 Award“, „VW Sound Foundation“, „Coca Cola Soundwave“ und was nicht sonst noch so alles öffentlichkeitswirksam ausgeschrieben wird – gleich mehrmals die Woche setzen sich in Deutschland Musikfachleute unterschiedlicher Couleur zusammen, um den Musiknachwuchs zu casten, zu coachen, zu küren und anschließend mit Preisen zu beglücken. Musiker auf der Suche nach Erfolg, so scheint es, müssen ihr Talent längst nicht mehr dazu einsetzen, unverwechselbar zu werden oder den Geschmack des Publikums zu treffen; es ist inzwischen viel wichtiger, Juroren zu gefallen. Hier eine Plattenproduktion, dort ein Tournee-Support, vielleicht auch ein Kleinbus auf Zeit oder ein Satz neuer Gitarren springen dabei heraus – es lohnt sich, die Marketingspielchen derer mitzumachen, die den Wettbewerben Budget und große Namen geben.
So wird die Musik aber auch früher käuflich, als es eigentlich gut ist: Bereits beim Komponieren zieht sich oft eine Schleimspur in Richtung potenzieller Entscheider; Fachleute, die – statt am Mischpult zu sitzen und musikalische Fakten zu schaffen – lieber auf dem Podium eines Wettbewerbs bewundert werden wollen.
Dabei ist der beste Preis – auch für Musiker – immer noch ein niedriger Ladenverkaufspreis. Und für den suchen wir Hörer dann eine Platte aus, die uns selbst am besten gefällt. Ganz ohne Wettbewerb, einfach nur mit Geschmack.

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