Konzerte & Party

Der Surface Club in Berlin-Wilmersdorf

Surface Club

In diesem Jahr ist schon einiges über Musik und Clubs im Westen Berlins der Achtzigerjahre berichtet worden. Mit einem Aspekt aus dieser Zeit beschäftigt sich derzeit das Alliierten-Museum in Zehlendorf in seiner Sonderausstellung „Von G.I. Blues zu G.I. Disco“. Dort erhält man einen Eindruck, wie amerikanische Soldaten mit ihrer Musik und ihrem Lifestyle die Jugend unserer Stadt beeinflusst haben. Wie das war, weiß auch Andreas Kiess noch genau. Er kam über das Riverboat am Fehrbelliner Platz auf den Geschmack. In dieser Disco gab es mehrere Tanzflächen, eine von ihnen war für schwarze Musik reserviert. Kiess gefiel das so gut, dass er dort zu kellnern anfing. Er verliebte sich in die Musik von Chic, Brass Construction oder The Bar-Kays und baute freundschaftliche Kontakte zu den G.I.s auf. Bald erhielt er auch Zutritt zu den Soldatendiscos. Er kannte sie alle: Das Starlight Grove in der ehemaligen McNair-Kaserne in Lichterfelde, den Checkpoint NCO Club in Zehlendorf, das Silver Wings am Flughafen Tempelhof und die Partys im Harnack House in Dahlem. „Ich hatte Glück und kam immer rein. Das war aber nicht so einfach. Man musste als Deutscher Leute finden, die den Namen auf einer Liste am Eingang vermerken ließen. Wenn man drin war, konnte man nur mit Dollar bezahlen“, erinnert sich Kiess.
Der große Einschnitt kam, als die meisten amerikanischen Soldaten die Stadt verlassen und in den ersten Golfkrieg ziehen mussten. Kiess versuchte sich der Zeit anzupassen und besuchte neue Clubs, in denen die schwarze Musikkultur der Neunziger lief. Im Strike oder Flame lag der Schwerpunkt auf HipHop und R&B. Bald wurde ihm aber bewusst, dass ihm ein Teil seines Lebensgefühls entrissen worden war. Im Gespräch redet er immer wieder vom „Spirit“ der Achtziger, von der Lust auf die Begegnung mit einer anderen Kultur. Irgendwann war das Verlangen danach so groß, dass er begann, selbst einen Clubabend zu organisieren. Seinen Surface-Club gibt es mittlerweile seit dreieinhalb Jahren. Nach mehreren Umzügen wird jetzt jeden letzten Samstag im Monat im Annabelle’s direkt am S-Bahnhof Heidelberger Platz gefeiert. „Ich habe bei einem Konzert von Boyz II Men vor vier Jahren viele alte Bekannte getroffen, denen es so wie mir ging. Sie finden keinen Club mehr, in dem ihre Musik läuft und in dem sie nicht wie alte Leute angeguckt werden. Das war für mich eine Initialzündung. Es musste etwas passieren.“ Auf dem Flyer steht: „You are going to enter the American sector.“ Im vollen Laden entdeckt man eine Gruppe von ehemaligen Soldaten, die in Berlin hängengeblieben sind. Überwiegend jedoch tanzen hier Berliner zu „The Breaks“ von Kurtis Blow oder zu Shannons „Let The Music Play“. Kiess freut sich, dass der Abend so gut läuft. „Ich stehe mit vielen Gästen über Facebook in Kontakt. Aber Stammgäste – in welchen Clubs gibt es die noch? Wenn sie sich verabschieden und sagen, dass es sich wie ein gutes Stück von früher angefühlt habe, ist es das größte Kompliment, das ich mir vorstellen kann.“

Text: Thomas Weiland

Surface Club im ?Annabelle’s, Mecklenburgische Straße 224, ?Sa 26.10. und jeden letzten Samstag im Monat, ab 22 Uhr, Eintritt 10 Euro

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