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Konzerte & Party

DER VERANSTALTUNGSORT WURDE KURZFRISTIG GESCHLOSSEN: Der temporäre Kunstraum +–0

--0_by_Georg-RoskeEs ist eine klamme Herbstnacht, als sich eine Menschentraube vor der Pforte des Postbahnhofs sammelt. Nicht der eingespielte Fritz Club ist das Ziel, sondern das bis dato unauffällige Gebäude nebenan. „+–0“ leuchtet in Neon über dem Eingang des Ortes, der nicht nur ein Club sein will, sondern ein Kunstprojekt mit Fokus auf Performance Art. Auch ein Restaurant gibt es, hoch oben, wo ein hübsches Spitztürmchen das Dach ziert. Mit etwas Verzögerung geht gegen halb acht die Tür auf. Die kleine Verspätung von rund 30 Minuten ist genauer genommen ein kleines Wunder, bedenkt man, dass +–0-Initiator Stephan Rothfuß hier erst seit September als neuer Interims-Herr firmiert. Innen hat das Team des einstigen HBC-Machers Wände eingerissen und Keller leer geräumt, das Dachgeschoss ausgebaut und provisorische WCs aufgebaut. Hier und dort verraten Eimer mit wässriger weißer Brühe, dass vor ein paar Stunden noch emsig gemalert wurde. Die Euphorie ist an diesem Abend zu spüren. Endlich gibt es mal wieder eine Eröffnung zu feiern – mitten in einer Gegend Berlins, die zuletzt vor allem wegen Verdrängung von Subkultur im Gespräch war. Die Lebensdauer des +–0 ist allerdings nur von beschränkter Dauer. Drei Monate sind mit dem Eigentümer für das Kunst-Intermezzo ausgemacht.

Die „Speisekammer“ nimmt staunenswert zügig den Betrieb auf. DJs beschallen den Raum von der Empore aus mit mittelschweren Beats; flinke Hände bestücken Teller mit Pasteten und träufeln Saucen. Über die frisch eingezogene Giebeldecke wabern Lichtprojektionen. Eine Etage tiefer steht die Nacht unter dem Zeichen der Bildkunst. Der Raum allein ist ein Szenario für sich: Eine lange Flucht, gegliedert durch die Überreste von Zwischenwänden, die einst Postbüros beherbergten. Münder und Augen von Fotograf Straulino säumen in Tausenden die Strecke, so als sei gerade ein Flugblattwirbel zum Liegen gekommen.
Dass sich Initiator Rothfuß in den Raum und seinen labyrinthischen Charakter verliebt hat, wundert nicht. Vom Prinzip her will er die Spielstätte als Weiterentwicklung des inzwischen von neuen Betreibern geführten HBC nutzen, als Schnittstelle also von Kunst, Musik und Performance, von Hoch- und Subkultur. Je weiter man sich umsieht, je mehr Treppen man nach oben oder unten nimmt, desto mehr gibt es zu entdecken. Das Erdgeschoss ist ein offener Ort mit Tanzfläche und Live-Acts. Der Keller birgt schließlich die wohl verspielteste Etage des Hauses: ein herrlich morbider Parcours von schmalen Parzellen, in denen die Performer der „Human Zoo“-Truppe geisterhaft stumme Szenen vollführen. Die laute Bar mit Tanzfläche am Ende der Katakomben ist für sich allein genommen eine gute Adresse.

Erste Kollaborationen fürs +–0 hat Rothfuß schon ausgemacht. So wenn hier Mitte Dezember das !k7-Label den Abschluss seines Jubiläumsjahrs mit einer Boxset-Veröffentlichung inszeniert. Das zweite Geschoss gehört dann einer Video- und Soundinstallation mit Raritäten aus dem !k7-Firmenarchiv: Rare Konzertmitschnitte von Berlins 80er-Ikonen wie Nick Cave, Einstu?rzende Neubauten, Lydia Lunch oder Stricher treffen dann auf Live-Remixe von DJ- und Postpunk-Fachmann Mark Reeder. Schade eigentlich, dass in drei Monaten schon wieder alles vorbei sein soll. Doch in Abschieden sind Berlins Nachtmenschen ja geübt.

Wegen baurechtlicher Problem ist das Projekt kurzfristig abgesagt worden. Bis spätestens Ende Februar 2013 wird jetzt eine Ausweichlocation gesucht, die die erforderliche Deckenhöhe besitzt.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Georg Roske

+–0 Straße der Pariser Kommune 8, Speisekammer, Do–Sa ab 19 Uhr (ab 7.12.), Programm im Erdgeschoss Fr u. Sa., www.plus-minus-zero.de

VERANSTALTUNG WURDE KURZFRISTIG ABGESAGT!k7-Jubiläum „Subkultur/Berlin 80“ Do 13. + Fr 14.12, 19–1 Uhr, AK: 5 Euro,


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