Avantgarde

Diamanda Galás im Funkhaus Nalepastrasse

Röhrt, haucht, schreit, brummt, brüllt immer noch: Diamanda Galás

Foto: Austin Young

Die Verwertung von historischem Material ­erlebt derzeit einen Aufschwung. Kürzlich erst hat sich Bob Dylan am Great American Songbook abgearbeitet und der Ära der 30er- bis 50er-Jahre eher geschmeichelt. Ganz anders geht Diamanda Galás vor, sie verfremdet, ­dekonstruiert, baut radikal um. Die ­mittlerweile 62-jährige US-Künstlerin mit griechischen Wurzeln, die vor allem in den 1980er-Jahren mit ihrem extremen Gesangsstil bahnbrechend wirkte, hat zuletzt 2003 ein Album veröffentlicht, wenn man eine Liveveröffentlichung von 2008 nicht mitrechnet.
Jetzt erscheinen mit „All The Way“ und „In Concert at Saint Thomas The Apostle Harlem“ gleich zwei neue Tonträger, auf denen die Diva wieder röhrt, haucht, brüllt, klagt, schreit, brummt, beschwört und sich verstörend zwischen den Oktaven bewegt. Klangräume werden erweitert und aus alten Jazz- und Folkstandards, letztere meist mit Todesthematik, entstehen neue, mit expressiven Klavierkaskaden unterlegte Kunstlieder. Galás beweist, wie eine kluge Auseinandersetzung zwischen Vergangenheit und zukunftsverliebter Avantgarde funktionieren kann. Klassische Kompositionen, etwa Thelonious Monks „Round Midnight“ oder den Blues „The Thrill Is Gone“, lässt sie in fremdartiger Schönheit erstrahlen. Wer Wohlklang erwartet, wird enttäuscht, wer sich aber auf die Suche nach einer universellen Essenz alter Songs begeben möchte, ­sollte diesen raren Berliner Auftritt nicht verpassen.

Funkhaus Nalepastrasse Nalepastr. 18, Treptow, Sa 13.5., 20 Uhr, VVK: 25 € zzgl. Gebühren

 

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