Konzerte & Party

Die Ärzte und Die Toten Hosen auf dem Tempelhofer Feld

Die Ärzte

Es geht immer noch größer. Als Die Ärzte im Juni 2002 ein Konzert zum (netto) 15-jährigen Bandbestehen mitten in der Stadt auf dem Kreuzberger Mariannenplatz gaben, war es kaum vorstellbar, dass eine ähnliche Veranstaltung noch einmal inmitten von Wohnhäusern stattfinden würde. Geschweige denn eine noch größere. Der Abend erschien schlicht einmalig. Damals hatte es zwar einige kleinere Auseinandersetzungen am Rande gegeben, ebenso waren Toilettenhäuschen in Flammen aufgegangen, doch die positiven Eindrücke überwogen deutlich: Auf den Balkonen tanzten die Anwohner, unten tobten 35.000 Fans zur Musik der „besten Band der Welt“. Seitdem ist reichlich Zeit ins Land gegangen. Doch Die Ärzte kennen ihre Stadt nach wie vor einfach zu gut, um sich eröffnende Chancen ungenutzt verstreichen zu lassen. Der Flughafen Tempelhof ist längst geschlossen und zu einem Freizeitareal umfunktioniert. Und das über 300 Hektar große Gelände zwischen Columbia- und Tempelhofer Damm hat sich bereits beim Berlin Festival mehrfach als Konzertstätte bewährt – wenn auch in deutlich bescheidenerem Rahmen. Dieser Umstand blieb den drei Berlinern von den Ärzten nicht verborgen. Sie setzten alle Hebel in Bewegung und machten einmal mehr das bislang nicht Dagewesene möglich: Und so steht nun die punkrockige Feuertaufe für das ehemalige Rollfeld mitten in Tempelhof an. Jeweils 40.000 Besucher finden hier Platz, wenn Belafarinrod am 10. und 11. August zum Ärztival laden. Das Gelände wird mit reichlich Gastronomie festivalähnlich gestaltet sein. Zudem haben Die Ärzte je Abend zwei Vorbands mit dabei. Während Danko Jones, die kanadischen Hardrock-Blues-Rocker, an beiden Tagen das Warming-up der Fans bestreiten, sind am Samstag zusätzlich die kalifornischen Punkrocker von NOFX mit an Bord. Am Sonntag agieren LaBrassBanda, die Brass-Combo aus dem bayrischen Übersee am Chiemsee, als zweite Vorgruppe. Beginn ist jeweils um 18 Uhr, der Einlass bereits um 14.30 Uhr. An diesen Tagen müssen die Tempelhofer somit geräusch­tolerant sein oder besser: es den Anwohnern des Mariannenplatzes gleichtun und die kostenlose Abendbeschallung genießen. Denn die beiden Konzerte von den Ärzten sind noch nicht alles.
Die Toten HosenBereits am Vorabend, dem 9. August, wenn Die Ärzte noch das Taubertal rocken, nehmen Die Toten Hosen dem Rollfeld bereits die punkrockige Jungfräulichkeit. Im Gespräch mit dem tip sprach Hosen-Sänger Campino über die geballte Ladung Deutschpunk und die Entstehung der Zusammenarbeit mit den Ärzten: „Ärzte und Hosen haben schon oft genug bewiesen, dass sie es in der Wuhlheide oder Waldbühne können. Da ist es für alle aufregend, uns mal in einem völlig anderen Umfeld zu sehen. Man will in Berlin auch was Spezielles machen. Ich glaube, mit dem Flughafengelände Tempelhof haben wir einen Ort, bei dem das noch mal ein echter Kick ist.“ Die Idee für die gemeinsame Veranstaltung hatten indes Die Ärzte. „Mir hat das gleich gefallen“, so Campino, „denn ich stelle mir das für Fans von außerhalb sehr angenehm vor: Die können dann ein ganzes Berlin-Wochenende daraus machen, fahren schon Freitagmittag hin, gehen am Abend zu den Hosen und am nächsten Tag zu den Ärzten.“
Die ÄrzteWas mit einer Idee der Berliner begann, ist im Ergebnis nun das mit insgesamt 130.000 Besuchern größte jemals da gewesene Deutschpunk-Wochenende der Hauptstadtgeschichte. Da lassen sich die Düsseldorfer im Hinblick auf ihre Vorbands ebenfalls nicht lumpen. In Berlin haben sie als Support neben den befreundeten Deutschpunkern Broilers auch die Rap-Rocker von Kraftklub aus Chemnitz mit dabei. Während diese sicher auch mit ihrem Hit „Ich will nicht nach Berlin“ kokettieren werden, können Die Toten Hosen offenbar nicht genug von der Hauptstadt bekommen: Nachdem ihre beiden Konzerte im vergangenen Dezember ebenso wie der Termin auf dem Tempelhofer Rollfeld mit allein dort 50.000 Karten in Windeseile ausverkauft waren, stockten sie ein letztes Mal auf und bespielten am 7. August zusätzlich Huxleys Neue Welt. Als Vorband brachten dann Radio Havanna Punkrock aus Suhl auf die Bühne. Auch für dieses Konzert gab es inzwischen jedoch keine Karten mehr.
Dass Die Toten Hosen auf ihrem aktuellen Album „Ballast der Republik“ den Ärzte-Song „Schrei nach Liebe“ gecovert haben, lässt indes Spekulationen zu, erscheint ein Gastauftritt der Düsseldorfer bei den Ärzten somit doch sehr wahrscheinlich. Hierzu hält sich Campino jedoch bedeckt: „Jede Band wird an ihrem Abend beziehungsweise ihren Abenden völlig eigenständig ihr Konzert machen. Ich werde da keine Spekulationen anheizen. In erster Linie bin ich gespannt, Die Ärzte zu sehen und ein Heimspiel von denen zu beobachten. Ob wir uns da bei denen auf der Bühne produzieren müssen, weiß ich nicht. Das schauen wir dann und entscheiden aus der Lamäng.“

Text: Nadine Kleber

Fotos Die Ärzte: Nela König

Die Toten Hosen + Broilers + Kraftklub, Flughafen Tempelhof, Fr 9.8., 18 Uhr, ­ausverkauft

Die Ärzte + Danko Jones + NOFX, Flughafen Tempelhof, Sa 10.8., 18 Uhr, ­ausverkauft

Die Ärzte + Danko Jones + LaBrassBanda, Flughafen Tempelhof, So 11.8., 17 Uhr, ­VVK: 39 Euro zzgl. Gebühr

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