Konzerte & Party

Die Beach Boys spielten in der O2-World

Beach Boys

Zuletzt konnte man Brian Wilson vor drei Jahren in Berlin sehen. Aus unerfindlichen Gründen fanden damals nur wenige Fans den Weg ins Tempodrom, obwohl angekündigt war, dass er viele alte Songs aus den Sechzigern spielen werde. In der O2 World sah das jetzt ganz anders aus. Sie war gut ausgelastet, als der kreative Geist zum ersten Mal seit einer halben Ewigkeit wieder mit Mike Love und Al Jardine, den anderen lebenden Gründungsmitgliedern der Beach Boys, auf der Bühne stand. Alle oder keiner – diese Einsicht hat die lange zerstrittenen Musiker wieder zusammengebracht. Viel Aufhebens machten sie deshalb nicht. Sie verzichteten auf Showelemente und konzentrierten sich voll auf die Musik. Los ging’s mit „Do It Again“ und drei Stunden später ertönte mit „Fun Fun Fun“ der letzte der insgesamt 50 Songs zum fünfzigsten Bandjubiläum. So viele Hits am Stück bekommt man von anderen Musikern nicht zu hören. Für gelegentliche Auflockerung war Mike Love (Foto) zuständig. Er stellte seinen Bandkollegen Bruce Johnston scherzhaft despektierlich als den Mann vor, der Barry Manilows „I Write The Songs“ geschrieben hat. Gelächter. Diese Schnulze würde man aber nur in Las Vegas zu hören bekommen. Mehr Gelächter. Als es langsam auf einen Block mit Songs über schnelle Autos zuging, lobte Love die deutsche Kunst auf dem Gebiet des Fahrzeugbaus. Das war schlau von ihm, denn ausgerechnet während der Hot-Rod-Hymne „Little Deuce Coupe“ erhoben sich alle von ihren Sitzen. Der zweite Teil des Konzerts war noch besser. Da standen viele der introvertierten und melancholischen Stücke auf dem Programm, mit denen Brian Wilson seine Meisterprüfung abgelegt hatte. „Heroes & Villains“ etwa, „I Just Wasn’t Made For These Times“ und natürlich „God Only Knows“. Die Beach Boys beherrschen das alles immer noch wie im Schlaf, auch wenn sie ihre Harmoniegesänge nicht mehr so wie früher hinkriegen. Aber für einen schönen Traum mit Sonne, Strand, Meer, Frauen und Autos an der Küste Kaliforniens reichte es allemal.

Text: Thomas Weiland

Foto: Pop-Eye / Kriemann

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