Konzerte & Party

Die Berlin Music Days

Steffen Hack und Ulrich Wombacher

Der große Aufmarsch des internationalen Musikbusiness zur Berlin Music Week (BMW), die Showcases in den Clubs, die Diskussionsrunden und das Berlin Festival am Flughafen Tempelhof sind noch nicht einmal zwei Monate her, da lädt man in Berlin bereits zum nächsten Branchentreff mit Clubnights, Diskussionen, Workshops und Abschlussevent, dieser ebenfalls am Flughafen. Berlin Music Days, kurz BerMuDa, nennt sich das ganze, dauert vier Tage und endet mit dem Fly BerMuDa-Festival in Hangar 1 und 2. Es klingt nach einer BMW in klein, doch die Berlin Music Days sind alles andere als eine langweilige Kopie.   
„Mit unseren Musiktagen wollen wir ein anderes, ein modernes Format etablieren“, sagt Steffen Hack, einer der Initiatoren. „Das Modell einer Messe, wie es die Berlin Music Week mit der Popkomm zu erhalten versucht, also eine Messe mit Ausstellungstischen in einer riesigen Halle, ist doch längst nicht mehr zeitgemäß.“ Zusammen mit Ulrich Wombacher, mit dem Hack auch das Watergate betreibt, hatte er bereits im vergangenen Jahr – da war die Popkomm gerade wegen beachtlicher Geschäftseinbußen abgesagt worden – mit der BerMuDa eine eigene Musikwoche auf die Beine gestellt. Innerhalb von vier Wochen stampften sie damals ein beachtliches Programm aus dem Boden. Unbeeindruckt vom allgemeinem Lamento über den Untergang der Branche feierten geschätzte 30?000 Leute zusammen mit internationalen Künstlern, Labelmachern und Clubbetreibern in 40 Locations und über 100 DJs und Live-Acts.
Steffen Hack und Ulrich WombacherIn diesem Jahr haben Hack und Wombacher das nächtliche Angebot auch auf den Tag ausgedehnt: Viele Büros, wie etwa der Online-Musicstore Beatport und die Internet-Plattform SoundCloud, laden zum Open Office Day ein. Angehende Produzenten sind bei den De:Bug-Musiktechniktagen genau richtig, hier können sie zum Beispiel die Software der Berliner Hersteller Native Instruments ausprobieren oder Instrumente bauen. Im Horst Krzbrg kann man anhand von Fotos des früheren Frontpage-Fotografen Tilman Brembs auf 20 Jahre Techno-Geschichte in Berlin zurückblicken. „Abends geht man in die Clubs, tagsüber verabredet man sich mit Kollegen zum Mittagessen. Bei den Open Office Days lernt man Leute kennen und schließt Deals ab“, sagt Wombacher. „Wir wollen das tägliche Geschäft der Szene sichtbar machen. Ein Messegelände brauchen wir dazu nicht.“ Auf dem Flughafen Tempelhof werden sich daher auch keine geschäftstüchtigen Leute an Ständen zum Flyeraustausch treffen, sondern Raver werden beim Abschlussfestival mit Acts wie Paul Kalkbrenner, Tiefschwarz und The Koletzkis abtanzen.
Dass sich Hack und Wombacher nicht einfach mit der Berlin Music Week zusammengetan haben, hat aber noch andere Gründe: „Von denen fühlen wir uns als Berliner Clubbetreiber nicht angemessen vertreten.“ In der BMW sehen sie eine Vermarktungsstrategie der Stadt und ihrer Politiker, die die Techno-Szene, ihre weltweit angesagten Locations und ihre Vertreter dazu benutzt, um sich attraktiv nach außen zu verkaufen. Umgekehrt aber, so die beiden, würde die Stadt nicht zögern, Clubs zu schließen statt sich für deren Erhalt einzusetzen. Ein gutes Beispiel sei die Bar 25. Im nächsten Sommer wird es den beliebten Ort am Spreeufer nicht mehr geben, während der Berlin Music Week aber wurde die Bar und viele andere ebenfalls von der Schließung bedrohte Spree-Clubs gefeiert, als hätte es nie Diskussionen und Proteste um Mediaspree gegeben. „Statt uns nur zu beschweren, wollen wir jetzt mit BerMuDa ein positives Zeichen setzen“, sagt Hack. „Wir wollen zeigen, wie wichtig das wirtschaftliche und kulturelle Potenzial der Club-Szene für Berlin ist, ein Potenzial, das die Politik ernst nehmen sollte. Unser Festival mit internationaler Strahlkraft, das wir ohne Fördermittel auf die Beine gestellt haben, ist doch der beste Beweis dafür.“

Text: Katharina Wagner

Fotos: Oliver Wolff

BerMuDa, Mi 3. bis Sa 6.11., Programm unter www.bermuda-berlin.de

Fly-Bermuda-Festival, Flughafen Tempelhof, Sa 6.11., ab 20 Uhr, mit Paul Kalkbrenner, The Koletzkis, Sven Väth u.a., VVK: 42,50 Euro (zzgl. Gebühren)

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