Konzerte & Party

Die Berlin Music Week 2012

Berlin Music Week

Ganz überraschend kam sie nicht, die endgültige Absage der Popkomm. Das Konzept der Fachmesse hatte kaum mehr Branchentätige überzeugt – da half selbst der interessante Schauplatz im Tempelhofer Flughafen nichts. Auf der Berlin Music Week wird sie fortan als Baustein fehlen. Doch die Lücke wollen die Organisatoren als Chance nutzen, um das angestaubte Popkomm-Image als abgezirkeltes Fachtreffen an Messeständen loszuwerden und eine eigene Marke zu ­werden.
Einfacher zu navigieren und zugänglicher soll der Reigen der Veranstaltungen sein, mit dem Berlin an fünf Tagen als Musikweltstadt und unumgänglicher Wirtschaftsstandort der Branche präsentiert werden soll. Das Programm soll nun verstärkt auch Musikschaffende und Kreative aus benachbarten Berufsfeldern anziehen. Es umfasst Diskussionen, Workshops, Konzerte, Partys, Empfänge sowie zum Finale das Berlin Festival. Eine ­“Öffnung für alle“, will Koordinator Björn Döring erreichen. Wichtiger Schritt sei der Umzug des Festivalzentrums in den Ausgehkiez an der Oberbaumbrücke, Heimat zahlloser Bands, DJs, Studiobetreiber und Partymacher. Spielstätten wie das Lido, der ­Magnet- und Comet Club, das Bi Nuu, Watergate oder das Hotel Michelberger lassen sich locker zu Fuß ablaufen. Einen Steinwurf ­entfernt, liegen Treffpunkte für Branchen­profis und Businessleute. Darunter finden sich auch schicke Dinge wie ein Crossgolf Yard über den Dächern des Mediaspree-Ufers. Aber auch Berliner Musikschaffende und Neugierige bekommen ihr Forum, ohne dafür ein teures Ticket kaufen zu müssen.
Workshops, Panels und Diskussionen finden fast stündlich rund ums neue Festivalzen­trum im Spreespeicher statt. „Word On Sound“ heißt diese Austauschplattform, die etwa von der Initiative „all2gethernow“ um Motor-Music-Chef Tim Renner bespielt wird. Die zweitägige Werkstatt (6.–7.9.) richtet sich betont an Praktiker, die sich professionalisieren wollen. „Pimp My Proberaum“ etwa heißt ein Workshop, bei dem Experten wie Rockproduzent Moses Schneider ihr Wissen weitergeben. Andere Sessions drehen sich um Audio-Mastering und Vinyl-Schneiden, ums Veranstalten eigener Tourneen oder ­Musikvideos. Unter dem Schlagwort „Remix Labs“ erklären Musiker wie Stefan Goldmann ihre elektronische Arbeit an Drum Computer, Synthesizer oder Ableton-Software. Debattiert wird zu Urheberrecht und Gema, zu Crowdfunding und der Möglichkeit des Geldverdienens mit Musik.
An „Nerdcore-Kosmopoliten“ richtet sich da manches Panel, das sich aufs Internet als Vertriebs- und Vermarktungsquelle konzentriert; andere Veranstaltungstitel lesen sich wie Partymottos: „umGЂld“ dreht es sich da schon mal. Bei aller Aufgeschlossenheit zur Szene geht es dann doch vor allem ums Wirtschaftspotenzial von Berlins Musiktreiben.
Fixtermin ist auch die Clubnacht der Clubcommission am Freitag und Samstag. Tanzwillige können dann theoretisch 100 Clubs von innen kennenlernen. Zwischen fünf Clubtouren besteht die Auswahl, je nach Stil-Vorliebe lässt es sich dann per Shuttlebus von einer Location zur nächsten tingeln, freundliche 20 Euro kostet der Spaß. Auch sonst soll die Teilnahme an den Ereignissen in berlintypisch günstigem Rahmen bleiben. Das Gesamtticket für Clubnacht, Konferenzen und Musikprogramme wie die „ICAS Suite“ kostet 30 Euro samt ÖPNV-Nutzung. Mehr zahlen Professionelle, die dann auch Zutritt zu besonderen Konzerten und wahlweise dem Berlin Festival haben.

Foto: Ben Kreimann / Kulturprojekte Berlin GmbH

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