Konzerte & Party

Die Fкte de la Musique in Berlin

Fete de la Musique

Einmal im Jahr pünktlich zum Sommeranfang rausgehen und sich Musiker ohne Bezahlung ansehen – das hat inzwischen Tradition. Auch in diesem Jahr muss man in Berlin nicht auf die Fкte de la Musique verzichten. Es wird mit 103 teilnehmenden Bands und DJs gerechnet, die zumeist aus der lokalen Szene stammen. Wie immer ist der Gewinn für alle rein ideeller Natur. Die Fкte de la Musique erwirtschaftet keine Einnahmen und ist nicht kommerziell ausgerichtet. Dass eine Veranstaltung bei solch einer Konstellation finanziell schon mal auf wackeligen Füßen stehen kann, versteht sich von selbst. In diesem Jahr sieht sich die vom Senat per Vollmacht eingesetzte Veranstalterin Simone Hofmann in besonderem Maße mit diesem Problem konfrontiert, weil die Fкte womöglich zum letzten Mal Zusatzfördermittel der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin erhält. Mit Geldern aus dem Senatsetat allein ginge es nicht mehr, wie sie betont: „Die Stadt Berlin hat sich 1994 entschlossen, die Fкte de la Musique in Berlin durchzuführen. Ich habe im Auftrag des Senats Berlin die Veranstaltung seither jährlich koordiniert. Seit September 2009 informiere ich, dass die Fкte mit ’nur‘ 24?200 Euro Förderung in dieser Größenordnung, zu der sich das Musikfest ja in wunderbarer Weise entwickelt hat, leider nicht mehr durchführbar ist.“ Ein Antrag auf weitere Förderung durch die Lotto-Stiftung Berlin ist gestellt. Eine Entscheidung darüber steht noch aus. Der Senat muss neue eigene Fördermittel bei der Planung des nächsten Haushalts berücksichtigen. Das Ganze ist im Augenblick eine Hängepartie. 
Fete de la MusiqueZu sehr will sich die Veranstalterin die Stimmung indes nicht verhageln lassen. Lieber widmet sie sich mit Verve der Durchführung des diesjährigen Musikfests. „Die Fкte de la Musique ist der Tag, an dem sich Bürger der Stadt Berlin mit Musik beschenken und zeigen, welch kreatives musikalisches Potenzial in dieser Stadt steckt“, sagt Hofmann. In diesem Jahr wird es von Frohnau bis Schöneweide, von Pankow bis Lichterfelde und von Spandau bis Hellersdorf Bühnen geben. Mittendrin befindet sich der Lausitzer Platz in Kreuzberg, wo Bands aus der Reggae-Szene und ihren Anrainersparten gemeinsame Sache machen. Kimoe wird akustischen Reggae präsentieren, der sowohl engagiert als auch romantisch sein kann. Von Yebo gibt es Ska zu hören. Die Attraktion des Abends sind Mono & Niki­ta­man. Das deutsch-österreichische Duo gibt es schon neun Jahre und hat in diesem Jahr sein viertes Album „Unter Freunden“ veröffentlicht, mit dem es zum ersten Mal in den deutschen Charts vertreten war. Auch im Mauerpark in Prenzlauer Berg ist beim „Red Bull Tourbus Festival“ mit Andrang zu rechnen. Dort wird Maike Rosa Vogel Lieder aus ihrem von Sven Regener produzierten Album „Unvollkommen“ spielen und von Ghost Of Tom Joad abgelöst werden, die zeigen wollen, was sie seit ihrem Debütalbum „No Sleep Until Ostkreuz“ gelernt haben. Für den meisten Wirbel dürfte Casper sorgen. Der Bielefelder ist der Mann, der deutschsprachigem HipHop wieder einen Sinn gibt. Seine Reime sind reißerisch („Das Volk will Blut sehen.“), der Tonfall ist kämpferisch und der Sound von Brit-Rock- und Elektro-Elementen durchflutet. Wer Chanson, Swing, Jazz, Klassik oder elektronische Musik bevorzugt, wird zeitgleich an anderen Ecken der Stadt bedient. Ausgegrenzt wird bei der Fкte de la Musique niemand. Auch das hat Tradition.

Text: Thomas Weiland

Fкte de la Musique, Berlinweit, Di 21.6., 16–22 Uhr (Open Air), gratis, ab 22 Uhr umsonst und drinnen. Das komplette Programm
unter www.fetedelamusique.de

Real Rock Hifi Stage mit Kimoe, Mono & Nikitaman, Yebo u.a., Lausitzer Platz, 16–22 Uhr

Red Bull Tourbus Festival mit Maike Rosa Vogel, Ghost of Tom Joad, Casper u.a., Mauerpark, 16–22 Uhr

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