Konzerte & Party

Die Gomma Supershow im Scala

Jonas Imbery alias TeloniusJonas Imbery, das ist der mit der Mütze. Vor bald zehn Jahren hat er zusammen mit Mathias Modica, das ist der ohne Hut, in München das Label Gomma gegründet. Eigentlich eine Erfolgsgeschichte, doch noch immer muss er sich um alles selber kümmern. Zum Beispiel um die Möbel­packer. „Die haben das falsche Sofa geliefert“, sagt Imbery am Telefon. „Und jetzt wollen sie es nicht zurück­nehmen. Das sehe ich nicht ein. Wenn man einen grünen Opel bestellt, will man sich ja auch nicht mit einem roten VW zufriedengeben.“
Ansonsten hat er wenig Grund, sich zu beschweren. Die jüngste Tour von WhoMadeWho, dem Aus­hängeschild des Labels, hätte kaum besser laufen können. „Ich habe jeden Tag begeisterte Mails bekommen,“ sagt Imbery. „Die Jungs sind momentan so gut drauf, selbst wenn sie mal einen schlechten Tag haben, spielen sie alle an die Wand.“
Die guten Nachrichten sind ihm nur zu gönnen. Mit einer speziellen Mischung aus Geschichtsbewusstsein, gutem Geschmack und betonter Lässigkeit ist es ihm und seinem Partner Modica gelungen, ein Netzwerk aus Musikern, DJs und Designern aufzubauen, das nicht nur in Deutschland seinesgleichen sucht; die Verbindung von innovativem Grafikdesign und einer völlig unberechenbaren Veröffentlichungspolitik zwischen Italo-Disco, Post-Techno und Neo-New-Wave hat Gomma zum audiovisuellen Gesamtkunstwerk ge­macht. Manchmal war der Ruf des Labels jedoch besser als die Musik, die es herausbrachte, was unter anderem damit zusammenhing, dass seine beiden Macher eine typisch münchnerische Passt-Schon-Mentalität kultivierten und immer eher impulsiv als strategisch agierten. Das ändert sich nun. „Die Alben, die Bands wie WhoMadeWho oder Munk auf Gomma veröffentlichen, sind eher zum Hören konzipiert“, erklärt Imbery. „Andererseits erscheinen bei uns Maxis, die hauptsächlich zum Tanzen geeignet sind. Diese beiden Aspekte wollen wir in Zukunft klarer trennen.“
Das neue Sublabel Gomma Dance Tracks ist ganz auf clubtaugliche Produktionen spezialisiert. Die erste Veröffentlichung kommt von Imbery persönlich, der hier unter seinem DJ-Namen Telonius auftritt: „Like What“ ist eine wuchtige Electropop-Nummer, die an Paul Hardcastle auf Acid erinnert. „Clubmusik muss halt sexy und schmutzig klingen“, sagt Imbery. Seine Neuinterpretation des Ian-Dury-Klassikers „Hit Me With Your Rhythm Stick“ kursiert bereits seit einigen Monaten im Internet und soll im Laufe des Jahres auch auf Vinyl erscheinen.
Den Start des Sublabels feiern die Gomma-Macher, die in Berlin ohnehin Stammgäste sind, mit einem Showcase im Scala. Jonas Imbery wird dort irgendwann mitten in der Nacht an den Platten­tellern stehen. Sie erkennen ihn an seiner Mütze.

Text: Heiko Zwirner

Foto: A. Smilovic

Gomma Supershow, Live: Munk, Rodion, DJs: Telonius, Diskokaine, Mooner, Lars Eidinger u.a., Scala, Friedrichstraße 101, Mitte, Sa, 18.4., 23 Uhr, VVK 12 Euro.

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