Konzerte & Party

Die Kaiser Chiefs in der Columbiahalle

Kaiser ChiefsManchmal braucht der „Popfan“ anscheinend etwas, das er so rich­tig treten und malträtieren kann. Zurzeit sind das die Kaiser Chiefs, wenn man der vernichtenden Leserkritik trauen darf, die unter der Besprechung des jüngs­ten Albums „Off With Their Heads“ auf der Website des „New Musical Express“ aufgelistet ist. Die Meinungsäußerungen darf man getrost als Indiz für schon länger angestaute Zerstörungswut ansehen.
Was hat diese Band den Leuten bloß getan? Angreifbar machen sich die Kaiser Chiefs eigentlich nur durch ihre Volksnähe. Vor ein paar Monaten sind sie vor ihrem bisher größten Publikum im Stadion an der Elland Road aufgetreten, der traditionellen Spielstätte des arg abgestürzten Fußballclubs Leeds United. 35.000 Zuschauer wollten die Kaiser Chiefs erleben, und natürlich sangen alle Fans vor allem die Refrains von „Oh My God“ und „Ruby“ voller Überzeugung mit. Eigentlich ist so eine Reaktion ein großer Erfolg, aber darüber ist man selbst innerhalb der Band geteilter Meinung. „Wir wollen nicht nur in Arenen spielen, nichts mehr hinterfragen und bloß noch kommentarlos den Massengeschmack bedienen. Es ist uns gelungen, die Leute mit Melodien anzulocken. Jetzt, da sie uns zuhören, können wir ihnen auch mal Musik anbieten, die Ecken und Kanten hat“, sagt Sänger Ricky Wilson.
„Off With Their Heads“ enthält noch Reste von Momenten für die gesellige Runde, aber sonst haben die Kaiser Chiefs mit Disco und an­derer tanzbarer Musik angebän­delt und leben einen Spieltrieb aus, der sie mehr in Richtung von Kinks und Blur rückt. Das ist schon mal wunderbar. Wenn man dann noch bedenkt, dass sie sich vor Kurzem erst für ein Konzert gegen Rechtsradikalismus zur Verfügung gestellt haben, weiß man gar nicht mehr, warum sich manch einer so zickig echauffiert.

Text: Thomas Weiland

Kaiser Chiefs, Columbiahalle, Columbiadamm 13-21, Berlin-Tempelhof, Mo 19.1., 21 Uhr, VVK: 24 Euro.

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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