Konzerte & Party

Die neue CD von „The Whitest Boy Alive“

The Whitest Boy Alive The Whitest Boy Alive gehören zu den auffälligsten Pop-Phänomenen, die Berlin in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Ihren weltweiten Erfolg haben sie einem einfachen Trick zu verdanken: Sie spielen gefällige Tanzmusik mit den Mitteln einer traditionellen Rock­besetzung; Bass, Gitarre, Schlag­zeug und Orgel unterstreichen den weichen und cha­ris­ma­ti­schen Gesang des aus Norwegen stammenden Teilzeitberliners Erlend Шye mit feinen Linien. Dabei haben sie sich selbst einige strenge Regeln auferlegt: Alle Songs wurden live im Studio aufgenommen, es gibt keine Overdubs und keine Effekte, und auch auf Refrains hat das Quartett konsequent verzichtet. Zudem haben The Whitest Boy Alive versucht, den Schwung von über 120 Konzerten, die sie in den letzten zwei Jahren zwischen Sydney und Guadalajara gegeben haben, mit in den Aufnahmeraum zu nehmen: Die neuen Stücke klingen deutlich flotter als die eher andächtigen Songs auf ihrem 2006 erschienenen Debüt „Dreams„.
Das Prinzip der wohlüberlegten Zurückhaltung, das die Band in ihrer Musik kultiviert, korrespondiert darüber hinaus mit einer grundsympathischen Do-it-yourself-Haltung. Alles an The Whitest Boy Alive wirkt hausgemacht und unmittelbar: Das Album erscheint nicht bei einer großen Plattenfirma, sondern auf dem bandeigenen Label Bubbles, die Artworks sind passend zur Musik ausschließlich in Schwarz und Weiß gehalten, und selbst das Logo der Band sieht aus, als wäre es mit einem Filzstift gezeichnet. The Whitest Boy Alive könnten also die Band der Stunde sein – nur leider nutzen sich ihre mi­ni­malistischen Arrangements beim Hören recht schnell ab. Auf Albumlänge funktionieren The Whitest Boy Alive ungefähr so, als würde man elf Mal hintereinander denselben Witz erzählen. Es wird einfach nicht lustiger. Deshalb ist „Rules“ ins­gesamt eine etwas lahme Veranstaltung geworden: schön anzuhören, aber auf Dauer eher langweilig.

Text: Heiko Zwirner

The Whitest Boy Alive „Rules“, (Bubbles)

Mehr über Cookies erfahren