Konzerte & Party

Die neuen GEMA-Tarife

Nachtleben Berlin

Tatsächlich wirft der Konflikt die Frage auf, welchen Wert das Abspielen von Musik in Clubs haben soll. Dass die Komponisten, Autoren und Produzenten der zumeist elektronischen Clubmusik für ihre Arbeit honoriert werden müssen – nicht zuletzt weil die Tonträgerverkäufe eingebrochen sind –, ist bei fast allen Parteien unstrittig. Und führt direkt zum nächsten Problem, dem Verteilungsschlüssel der GEMA. 
Denn die Produzenten der Clubmusik wären in der Praxis keinesfalls die Begünstigten der erheblichen Mehreinnahmen aus ihrer Musik bei der Tarifreform.
Das liegt daran, dass die GEMA in ein kompliziertes Kastensystem aus ordentlichen Mitgliedern, außerordentlichen Mitgliedern und angeschlossenen Mitgliedern unterteilt ist.
Von den insgesamt 65?000 in der GEMA organisierten Komponisten und Textdichtern sind gerade mal 3?340 ordentliche Mitglieder, die den Löwenanteil der Einnahmen erhalten (d.h. fünf Prozent der GEMA-Mitglieder erhalten 65 Prozent der Einnahmen von insgesamt ca. 850 Millionen Euro). Denn um ordentliches Mitglied der GEMA zu werden, muss man nicht nur mindestens fünf Jahre Mitglied sein, sondern innerhalb dieser Zeit einen bestimmten Betrag erwirtschaften – keine Chancen haben also Newcomer und experimentelle Musiker, zu denen man das Gros aller für die Berliner Clubs produzierenden Musikschaffenden rechnen muss.
Die Einnahmen der GEMA werden zudem nach einem komplizierten Verteilungsschlüssel weitergeleitet. Im Falle von Radio Airplay können Einnahmen noch direkt zugerechnet werden, da Playlists vorliegen. Clubs oder Discotheken jedoch reichen bisher keine Playlists ein, im Falle des Vinyl-DJs, der sein Set spontan zusammenstellt, wäre dies auch technisch aktuell schwer machbar. Für die Künstler bedeutet dies, dass die durch ihre Musik generierten Einnahmen in einem großen Topf der nicht zurechenbaren Einnahmen landet, die dann wiederum zum Großteil den ordentlichen GEMA-Mitgliedern zugehen, sprich: Underground-Hit macht Dieter Bohlen noch reicher.
Nur so lässt es sich erklären, dass viele der Produzenten elektronischer Musik und DJs den Protest unterstützten. Sie sollten eigentlich an einer Einnahmenverbesserung des Verbandes interessiert sein. Dabei würde aktuelle Technik für DJs, die ihr Set digital präsentieren, das Erstellen von Playlists für DJ-Sets in Clubs ermöglichen. Mithilfe von Track-Tracking-Systemen in der Software ihrer Soundsysteme könnten die DJs bzw. die Clubs am Ende des Abends eine Liste aller gespielten Titel ermitteln und direkt der GEMA zukommen lassen. Doch an eine derart weitgehende Reform traut sich die GEMA nicht heran, denn dann müsste sie sich selber reformieren.

Text: Rock Davis

Fotos: Benjamin Pritzkuleit

Lesen Sie hier: Über die Ökonomie des Berliner Nachtlebens

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